Test: Superbrothers: Sword & Sworcery EP

Auf den ersten Blick mutet Superbrothers: Sword & Sworcery EP von Capybara Games (@the1console) an, als entstamme er den 80er Jahren: Im Angesicht von Grafikorgien wie Infinity Blade (iTS) oder 3D-Monstern wie Real Racing 2 HD (iTS) wirkt die pixelige Grafik angestaubt. Doch der Schein trügt, denn die altbackene Anmutung ist bewusst gewähltes Stilmittel. Lässt man sich auf die Spielwelt ein, verfliegen diese Äußerlich- und Oberflächlichkeiten binnen kürzester Zeit. Das ist kennzeichnend für den Titel, der sich beim Spielen entfaltet und verzaubert.

Mit sphärischen Klängen von Jim Guthrie wird der Spieler in die Spielwelt eingeführt. Per Tippgesten wird die Spielfigur mit Schild und Schwert durch die Landschaft dirigiert. Wischgesten verschieben den Bildausschnitt. Objekte von Interesse werden per Doppeltipp ausgewählt, worauf die Spielfigur mit diesen in Aktion tritt. Das kann ein Gespräch oder eine nähere Untersuchung sein. Spreizgesten sorgen für einen besseren Überblick über die liebevoll gestaltete Spielwelt. Hunde bellen, Wasser rinnt, Schafe grasen auf einer Wiese – das Erkunden der Spielwelt wird zum fast sinnlichen Erlebnis. Begleitet von einem atmosphärischen Soundtrack.

Wird das iPad im Hochformat gehalten wechselt der Held vom Wander- in den Kampfmodus. Wildschweine, Ritter und andere widrige Gestalten, die den Weg blockieren, werden dann mit gezielten Schwerthieben verscheucht, ihre Attacken mit dem Schild pariert. Die Steuerung erinnert an den NES-Klassiker Mike Tyson’s Punch-Out!! (WP) Viele Bildschirme, die der Held auf seiner Reise und Suche nach dem unheilvollen Buch Megatome durchquert, sind angefüllt mit Rätseln oder Kämpfen. So wechseln sich meditatives Pilgern, Grübeln und Kämpfen ab. Als Vergleich drängen sich die Spielklassiker Future Wars: Time Travellers (eWP) und Flashback (WP) von Delphine Software (WP) auf, die in den frühen 1990er Jahren an den Amiga-Monitor fesselten.

Vor allem, gegen Ende erfordern die Rätsel viel um-die-Ecke-denken aber die lakonischen Spielkommentare wissen durch Wortwitz zu begeistern und entschädigen. Die Twitter-Anbindung, über die Spielfortschritte mitgeteilt werden können, ist eher Spielerei an der Grenze zum Spam. Superbrothers: Sword & Sworcery ist dennoch eine Pflicht-App, die eine dichte Atmosphäre und rätselvolle fantastische Spielwelt etabliert – aus der es zu entrinnen gilt auch wenn man sich in dieser gerne aufhält.

Rating: ★★★★½