Test: Ready Steady Bang

Als Meister der spielerischen wie gestalterischen Reduktion erweisen sich Chambers Judd (@chambersjudd) und Ed Barrett (@big4ed). Deren Ready Steady Bang kommt mit einem Minimum an Formen, Farben, Klängen und Regeln aus, ist gleichzeitig aber nervenzerreißend unterhaltsam. Das Spielprinzip von Ready Steady Bang ist Grundbestandteil fast jeden Qualitätswesterns: Als Cowboy-Duellanten stehen sich entweder zwei menschliche Spieler oder Mensch und Maschine an den unterschiedlichen Enden des iPad-Displays gegenüber und wollen herausfindet wer schneller schießt.

Ehrenhaft wird erst dann zum Colt gegriffen, wenn nach nervenzerreißender Pause das „Bang“ aus der namensgebenden dreischrittigen Formel ertönt. Doch dann ist Geschwindigkeit alles. Ein Tap auf das Display, dass Schießeisen schnellt aus dem Holster, die Kugel durch die Luft – der Duellant sinkt in einer von mehr als 30 liebreizenden Animationen tot zu Boden. Wer den Gegner als erstes fünf mal niederstreckt gewinnt. Wer zu früh abdrückt muss bange warten, bis ihn aus dem generischen Schießeisen der sichere Tod ereilt.

Einzelspieler kämpfen sich durch zehn stetig schneller reagierende Gegner mit illustren Namen wie Doc Hunter oder Texas Slaughter. Aber der vierten Runde sind absolute Ruhe und höchste Konzentration gefragt, wenn man nicht zum Kugelfang degradiert werden möchte. Wer einen menschlichen Partner zur Gegnerschaft mobilisieren kann, erlebt ein Wechselbad aus Momenten nervenzerreißender Anspannung und diebischer Freude durchsetzt mit Spritzern von Selbstverachtung und Flüchen auf die Technik, weil man ja wohl ganz sicher als erster auf das Display getippt hat.

Ready Steady Bang ist ein Lehrstück in Gamedesign. Alle Schnörkel, aller Pomp und Tand wurden abgehobelt – was bleibt ist das pure Spielerlebnis. Die reduzierte Farbwahl in Grautönen, die nervenzerreißende Stille, die nur von den Ansagen des Unparteiischen, dem Schussgeräusch und dem Todesseufzen des Unterlegenen durchbrochen wird – alles steht hinter dem Spielerlebnis. Einzig der Schwierigkeitsgrad – der sechste Cowboy spielt in der Zwei-Millisekunden-Liga –  scheint etwas hoch bemessen, aber vielleicht versagen im Alter auch einfach die Reflexe.

Der Stromstock meint:
★★★★½