Test: Waking Mars (Video)

Mit der Veröffentlichung ihre Erstlings, Spider: The Secret of Bryce Manor, ernteten Tiger Style (@tigerstylegames) aufgrund dessen Andersartigkeit und besonderer Spielmechanik viel Lob. Der Spieler schlüpfte in die Rolle einer Spinne, die ein weitläufiges Landhaus von Insekten befreien musste. Auch beim neuen Titel Waking Mars ist David Kalina (@davekalina) darum bemüht, sich von der Masse der AppStore-Titel abzusetzen. Als Wissenschaftler verschlägt es den Spieler auf – besser unter – den Mars, wo er sich gärtnerisch mit der dortigen Flora und Fauna auseinandersetzt.

Die Suche nach einer verschollenen Drohne lässt den Wissenschaftler aufbrechen, den Untergrund des roten Planeten zu erkunden. Die gefährlichen zerklüfteten kargen Landschaften aus wackligen Stalaktiten und porösem Gestein werden durchlaufen oder mit dem Jetpack durchflogen. Die grundsätzliche Spielmechanik zeigt deutliche Parallelen zu 6th Planet oder Lunar Lander, allerdings verzeiht die Steuerung viele Unachtsamkeiten, was für Entspannung sorgt. Das beklemmende Innere des Planeten ist angefüllt mit einer reichhaltigen mysteriösen Fauna.

Mit biologistischer Neugier werden die Pflanzen untersucht und wechselseitige Beziehungen analysiert. In der Biosphäre hängt alles mit allem zusammen, die Früchte der einen Pflanze lassen sich an andere verfüttern und so das Wachstum steigern. Überschreitet die Biomasse einen kritischen Wert, erwachen weitere Pflanzen zum Leben – ein komplexes Strategiespiel entspinnt sich in einer beklemmenden Atmosphäre, die an Lucasarts The Dig erinnert. Das weitläufige Höhlensystem, da mittels Automapping verzeichnet und in dem man hin- und herreisen kann, weckt hingegen wohlige Erinnerungen an den NES-Klassiker Metroid (WP).

Wie Spider: The Secret of Bryce Manor will sich Waking Mars in keine Genre-Schublade zwängen lassen. Plattformer-Elemente werden mit Aufbaustrategie und einer Adventure-Handlung gemischt, wobei der Spieler nie gehetzt wird, sondern seine Spielgeschwindigkeit selbst bestimmt. Wie schnell die Geheimnisse im Inneren des roten Planeten entschlüsselt werden, obliegt dem Spieler, der jedoch mindestens gute sechs Stunden damit zubringt. Waking Mars ist eine ansprechend präsentierte abenteuerliche Spiel-Meditation, die den Spieler langsam, aber mit festem Griff in seinen Bann zieht und hält. Entspannend, wenn man Abstand vom Ballern und Explosionen benötigt.

Rating: ★★★★½