Test: Prince of Persia Classic

Zu Zeiten, in denen was heute als Retrografik abgefeiert wird noch die Speerspitze digitaler Grafikleistung war, sorgte Prince of Persia für Aufsehen. Der Titel, 1989 vertrieben von Brøderbund Software, zeigte Animationen in ungekannter Qualität und machte das Plattformer-Genre abseits von kindischem Gehüpfe, Pilzen und Schildkröten für Ältere salonfähig. Der Titel erfuhr zahlreiche Fortsetzungen auf alle gängigen Systeme. Mit Prince of Persia Classic, ursprünglich ein Download-Spiel für Xbox und Playstation, hat Ubisoft (@UbisoftMobile) den Klassiker in polierter Form auf das iPad gebracht.

Es bleibt das gleiche Märchen aus 1001 Nacht: Der böse Kalif Jaffar schnappt sich in Abwesenheit des Sultans dessen Tochter. Durch grafisch imposante Umgebungen, getrieben vom Feuer der Leidenschaft und dem Bedürfnis dem Kalifen für seine Frechheit die Backen dick zu machen, muss der Prinz akrobatisch über Plattformen und Hindernisse hechten, um die Dame der Wahl retten. Ihm in den Weg stellen sich die mit Säbeln ausgestatteten Wächtern des Kalifen, die es in Duellen zu bezwingen gilt. Dafür bleibt eine Stunde Zeit. Wenn das Stundenglas durchgelaufen ist, ist Schicht im Schacht. Eine Klausel mit Frustrationspotenzial, man sollte sich klar machen, worauf man sich einlässt.

Hinsichtlich der grafischen Präsentation liefert Ubisoft Grundsolides ab. Die animierten Cutscenes sind dann allerdings nur noch nett und müssen ohne Sprache auskommen – überhaupt ist der Titel abgesehen von Geräuschen sehr still. Spielerisch merkt man den unüberholten Spielprinzip sein Alter deutlich an. Genre-verwandte Titel wie League of Evil 2 oder Choco Run haben spielerisch größere Herausforderungen und mehr Witz zu bieten, verstecken dieses jedoch hinter Pixelgrafik. Auch die Steuerung ist gewöhnungsbedürftig: Wahrend der Prinz über einen Schieberegler analog schleichend bis hetzend vor und zurück bewegt wird, wird per Knopfdruck wird gesprungen und gehangelt.

Der Vergleich von Prince of Persia Classic mit der hervorragend Xbox-360-Re-Interpretation Die vergessene Zeit ist unstattlich, zeigt aber anschaulich, wie weit sich das Rad der Zeit im Genre weitergedreht hat. In der iOS-Version wird gesprungen und gehangelt, bisweilen in Schwertkämpfen auf virtuelle Knöpfe gehämmert – das war’s. Ubisoft liefert exakt ab was beworben wird, einen grafisch polierten Klassiker, der allerdings schlecht gealtert ist. Nostalgiker werden sich freuen, Spätgeborene sich angesichts spielerisch reizvollerer Alternativen hingegen wundern, was die Faszination des Titels ausmachte.

Der Stromstock meint:
★★★☆☆