Test: Astronot (Video)

Früher war nicht alles besser. Früher war viel weniger und daher auch weniger Quatsch. Wir hatten wenig – ein paar Pixel, eine Hand voll Farben, piepsige Klänge und Vier-Wege-Steuerung. Dennoch ging es in den Weltraum, den Urwald und unter die Erde, meistens innerhalb von Grenzen beschränkter Komplexität. Mit Astronot entführt Wade McGillis (@wademcgillis) Spieler zurück in diese Früh-Zeit ästhetischer Videospiel-Schlichtkeit, mischt seinem Titel aber eine erhöhte spielerische Komplexität bei.

Mit vier Tasten steuert der Spieler einen Pixelhaufen, seines Zeichen Müllwerker, der sich lediglich vor und zurückbewegen kann und sich auf Wunsch durch Sprünge und Pistolenschüsse wehrhaft zeigt. Das Szenario ist die Oberfläche eines fremden Planeten, die es nach einem Crash zu erkunden gilt. Ziel ist es, möglichst unbeschadet Quadrate einzusammeln, die der Wiederherstellung des Raumschiffs dienen und damit den Auszug auf der planetaren Trostlosigkeit in Aussicht stellen.

Grafisch und spielerisch erinnert Astronut unverkennbar an VVVVVV von Terry Cavanagh, allerdings bleibt die Kartographie des Territoriums in Astronot am Spieler hängen. Die Welt, die Astronut dem Spieler zur Entdeckung anbietet, ist groß und erschließt sich wie in Metroid nach und nach. Erst wenn der Spieler die Sprungstiefel trägt, werden höher liegende Abschnitte zugänglich. Erst wenn ein bestimmter Schalter umgelegt wurde, öffnet sich der Zugang zu einem bestimmten Areal.

Astronut spielt sich wie der Urahn von Waking Mars oder ein Bruder von Finders Keepers und McGillis ist offenkundig stolz auf seine Reduktion. Immer wieder jedoch schlägt die falsch verstandene Nostalgie über die Strenge, wenn der Spieler etwa vom letzten Speicherpunkt erneut aufbrechen muss beginnen muss, weil ein blinkender Quader sich wider Erwarten nicht als Bonus-Gegenstand sondern als Todesfalle herausstellt. Auch der Verzicht auf eine automatisch generierende Karte hätte – bei gesenkter Authentizität – Spielspaß und Orientierung deutlich erhöht. So bleibt es ein schweres nostalgisches Entdecken in der spielerischen Mittelklasse mit einigen originellen Ideen.

Rating: ★★★☆☆