Test: Mega Man X (Video)

Mega Man ist ein Ledernacken, der sich über Jahrzehnte einen unverrückbaren Stammplatz im Olymp der Videospiele-Heroen erkämpft hat. Vom ersten Auftreten im Jahr 1986 auf dem NES an hat Capcom (@Capcom_UK) der Zauberformel festgehalten: Mega Man läuft ballernd und hüpfend durch lineare Spielstufen bis zum Endgegner, bezwingt diesen und eignet sich in kannibalischer Tradition, dessen Spezialfähigkeiten an. Auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert funktioniert der puristische Zauber, wie Capcom mit Mega Man X für das iPad unter Beweis stellt.

Ursprünglich erschien der Titel 1993 für das SNES. Grafisch auf den Stand der Zeit gebracht, mit Game-Center-Features bestückt, um eine Speicherfunktion erweitert und – hier gehen die Meinungen der Puristen auseinander – mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden versehen. Schwierigkeit ist ein wesentliches Markenzeichen der Capcom-Hausmarke. Die Mega-Man-Reihe konstituiert sich aus Titeln für Sadisten auf der Suche nach einer Tracht Prügel. Es geht um die Trias aus Scheitern, Fluchen und Lernen, wie sie Wobbly Ware minimalistisch mit League of Evil pflegt.

Auch an anderer Front bricht Capcom mit der Tradition. Die wichtigen motivationalen Streicheleinheiten verdient sich der Spieler durch das Bezwingen der Levelbosse und dem Aneignen derer Fähigkeiten. In Mega Man X für das iPad ist diese Anschaffung optional per In-App-Kauf möglich. Für ein paar schnelle Euros der Frustrierten wird das puristische Prinzip verwässert? Pfui, Spinne! Auch der Verzicht auf kontinuierlich scrollende Spielstufen zu Gunsten von Abschnitten zwischen denen geblättert wird, macht den Titel einfacher und lässt Puristen pöbeln! Andererseits sind die ewig Gestrigen nie zufrieden, weil früher alles besser war.

Früher ist vorbei. Heute wird Mega Man X auf dem iPad über überdimensionierte Bedienelemente auf dem Touch-Screen gesteuert, was die eingeforderte präzise Bedienung erschwert. Trotz aller Vereinfachungen und Verwässerungen ist Mega Man X auf dem iPad noch immer ein schweres und solides Brett. Der Titel bietet jüngeren Spieler-Genrationen eine günstige und ansprechende Möglichkeit einen Klassiker zu entdecken und sich ein Bild davon zu machen, wie hart es in der guten alten Zeit des Videogamings wirklich zu ging.

Rating: ★★★½☆