Test: Kid Vector (Video)

Während der 8- und 16-bit Ära vermochte nackte Vektor-Optik noch zu beeindrucken. Elite von David Braben und Star Fox auf dem Super Nintendo sorgten trotz Texturlosigkeit für weit offen stehende Münder. Heute ist die Drahtgitter-Anmutung aus der Mode gekommen und fristet vorrangig als bewusstes Stilmittel ein Nischendasein. Mit Kid Vector nimmt sich UNCADE (@UncadeGames) der wenig beachteten Linien an. Ihr Plattformer, ein klassisches Jump’n’Run in der Tradition von Super Mario Bros., feiert die Ästhetik der blanken Linien.

Immer wieder betten UNCADE handgezeichnete Objekte in die Vektor-Optik ein, ein Kopfnicken in Richtung von Doodle Jump und Parachute Panic. In höhere Spielstufen gibt man dem minimalisitschen Mix farbige und sich bewegende Hintergründe zu. So minimalistisch die Grafik, so puristisch das Geschehen. Das bemützte Strichmännchen kann sich laufend und hüpfend fortbewegen – aggressives Verhalten bleibt anderen Titeln vorbehalten. Allerdings sind die virtuellen Tasten, trotz drei wählbarer Positionen, unglücklich nah beieinander positioniert – zum Glück lässt sich der Titel mit dem iCade steuern.

Spielerisch wandelt Kid Vector auf den Pfaden von League of Evil. Es geht es um gut getimte Doppelsprünge über sich auflösende Plattformen, Ausweichen vor pulsierend feuernden Laserkanonen und das Ausloten der eigenen Frustrationsresistenz. Mit einem Rücksetzpunkt pro Spielstufe aber Dutzenden Möglichkeiten zu scheitern ist Kid Vector so unterhaltsam wie ein unerwarteter Schlag gegen den Hinterkopf. UNCADE zielen wie FreakZoneGames in Manos The Hands of Fate auf Spieler, die auf der Suche nach einer Herausforderung sind.

Der Umfang von Kid Vector mag mit lediglich 15 Spielstufen bescheiden anmuten, doch diese sind vielfach weitläufig und laden zum Erkunden ein. So verbirgt sich in jeder Stufe ein versteckter Edelstein, den es zu finden gilt. Komplettisten sammeln zudem alle in den Leveln verteilten Münzen ein und unterbieten die vorgegebene Bestzeit. Mit einem originellen Grafikstil und voller origineller wie klassischer Plattformer-Ideen ist Kid Vector ein empfehlenswerter Plattformer für furchtlose Retro-Feunde.

Rating: ★★★½☆