Test: Wild Blood (Video)

Mit Wild Blood (App Store) unternehmen Gameloft (@Gameloft_DE) eine Reise in die eigene Vergangenheit, bringen diese aber auf den neuesten Stand. Der Button-Smasher ist ein direkter Nachfahre von Gamelofts Hero-of-Sparta-Serie (App Store), allerdings haben die Franzosen nach knapp zwei Jahren der eigenen beeindruckenden Engine den Rücken gekehrt und setzen bei ihrer Hack-and-Slay-Orgie – wie auch Warner und ChAIR – auf die Unreal-Engine. Grafisch setzt man neue Maßstäbe, spielerisch hingegen bietet man lediglich anreicherte Hausmannskost. Dennoch hat man sich alle Mühe gegeben, ein neues Aushängeschild zu schaffen.

Die Handlung orientiert sich an der Artus-Sage, geht jedoch deutlich in die schmutzig derbe Richtung von John Bormans Excalibur. Lancelot hat mit Artus Perle geschnackselt und muss sich nun mit dem Schließen geöffneter Höllentore rumschlagen, die der gehörnte Ehemann aufgestoßen hat. Der Spieler steuert den edlen Ritter, der im Verlauf mit drei unterschiedlichen Waffen ausgerüstet wird, durch Dörfer, Himmelspaläste und Höllenschluchten, befreit im Vorbeigehen eingekerterte Dorfbewohner und kassiert dafür, wie für das Demolieren von Tongefäßen und Zersäbeln von Gegnern Goldstücke.

Gesammeltes Gold dient dem Aufleveln von Spielfigur und Waffen, die im Spielverlauf zu beeindruckenden Zerstörungsorgien ermächtigen. Wie in Madfingers Samurai-Serie (App Store) meuchelt sich Lancelot mit Schwert, Äxten und Bogen durch nicht enden wollendes Einhämmern auf virtuelle Knöpfe durch die Spielstufen. Magie-Attacken erhöhen die desaströse Wirkung der Angriffe, in der Grundsubstanz ist die Einzelspieler-Kampagne von Wild Blood jedoch lediglich ein lineares wenngleich technisch beeindruckendes Nummernkabaret, das sich mit 1,5 GB auf dem iPad breit macht. Etwas enttäuschend ist die Wendung, mit der man den Spieler zur Halbzeit nach den ersten siebenSpielstufen präsentiert.

Im Mehrspielermodus schlummert, wie auch bei Gamelofts Modern Combat 3 das eigentliche Potenzial des Titels. Wenn sich Spieler in den Arenen mit Distanz- und Nahkampfwaffen begegnen, kommt hektische Freude auf. Der Spielspaß im Gegeneinander tröstet sodenn über das penetrante In-App-System und die deplatziert wirkende Verschiebepuzzels hinweg, die aus unerfindlichen Gründen beim Öffnen von Schatztruhen auftreten. Für den Einzelspieler ist Wild Blood kurzfristig unterhaltsames Popkorn-Kino, wer sich jedoch in archaischen Online-Duellen die Hucke voll hauen möchte, klingelt hier an der richtigen Tür.

Rating: ★★★½☆