Test: Jet Set Radio (Video)

Wieder einmal wühlt SEGA (@SEGA) in der Kiste der Dreamcast-Klassiker und zaubert nach Crazy Taxi einen weiteren Titel hervor. Diesmal hat man das Staubtuch über Jet Set Radio [App Store] wirbeln lassen und die Graffitti- und Rollerblade-Orgie von Smilebit aus dem Jahr 2000 auf das iPad gebracht. Verantwortlich für die Umsetzung zeichnet sich Blit Software (@blitsoftware), die sich bereits im September um die Umsetzung des Klassikers auf Xbox Live Arcade, PlayStation Network und Windows kümmerten. Als Mitglied der rebellischen Gang The GGs fährt, sprayt und grinded der Spieler durch die Straßen von Tokyo-to.

Die Cel-Shading Grafik, die bereits vor einem Dutzend Jahren für große Augen und offene Münder sorgte, begeistert noch heute. Allerdings hat man unnötigerweise Clipping-Fehler und den langsamen Bildaufbau von der Dreamcast-Version auf das iPad geschleppt. Grundsätzlich jedoch ist die Dreamcast-Perle hervorragend gealtert, der Crossover-Funk-Soundtrack führt auch heute noch zu rhythmischem Schulterzucken, entspanntem Kopfnicken und Fußwippen. Zuviel Entspanntheit ist allerdings kontraproduktiv, denn die Steuerung des Skaters über Plattformen und schlanke Rails bedarf Konzentration und Aufmerksamkeit.

Als Mitglied einer Sprayer-Gang mit magnetisierten Rollen unter den Füßen gilt es, Fassaden mit Graffitis zu verschönern, um das eigene Revier zu markieren und anderen Gangs zu zeigen, wer herrscht. All dies ohne sich von der Ordnungsmacht aufgreifen zu lassen, wobei diese im Spielverlauf zusehends rabiater reagiert. Nur mit waghalsigen Skate-Tricks lassen sich Sprühdosen sammeln und die teils entlegenen Stellen für Graffitis erreichen. Das Sprühen selbst wird wird durch Gesten auf dem Display umgesetzt. Sega hat Gesetzlosigkeit und Coolness eingesperrt und ein Kind zeugen lassen.

Allerdings streut die Touchscreen-Steuerung häufig Sand in die Kugellager. Was auf dem Dreamcast bereits eine motorische Herausforderung war, wird auf dem iPad stellenweise frustrierend. Besonders wenn Heerscharen von Polizisten den Spieler verfolgen und es auf kühlen Kopf und präzise Lenkung ankommt, bedeutet häufig eine unheilige Allianz aus ungünstiger Kameraführung und pingeliger Steuerung das vorzeitige Ende der Rebellion. Vieles, was den innovativen Titel so liebenswert gemacht hat, wird unter Schippen unnötiger Schwierigkeit begraben.

Rating: ★★★☆☆