Scanner_Aufmacher
Mit Scannern ist es wie mit Fax-Geräten, nie braucht man sie und wenn man sie braucht sind sie nicht zur Hand. Vor allem wer nur gelegentlich ein Dokument einscannen und digital weiterreichen möchte, will meist nicht in staubfangende Hardware investieren.* Statt dessen kann man – die richtigen Apps vorausgesetzt – auch das iPad als Scanner verwenden. Geschwindigkeit und Scan-Ergebnisse sind durchweg für den Alltagseinsatz geeignet und vereinzelt sogar beachtlich. Die Kür sind das Ablegen der eingelesenen Inhalte im Web, die Verschriftlichung per Texterkennung und das Weitergeben per Fax.


Scanner Pro [App Store] von Readdle (@readdle) fotografiert Visitenkarten, Texte oder Tafelbilder. Mehrere Scans lassen sich in einer PDF-Datei zusammenfügen. Die Grenzen des Objektes erkennt die Software zuverlässig in Echtzeit und löst das Foto zudem erst aus, wenn das iPad ruhig gehalten wird. In der Nachbearbeitung lassen sich Kontrast und Helligkeit per Schieberegler einstellen und der Scan auf Graustufen oder Schwarz-Weiß-Darstellung reduzieren. Das Ergebnis ist sehr gut lesbar, leider fehlt der App eine integrierte OCR-Funktion zur Texterkennung. Dafür kann die App Scans als Faxe versenden, wobei für jeden Faxversand ein In-App-Kauf für 0,89 Euro fällig ist. Scans lassen sich an Evernote, Google Drive oder an die Dropbox weiterreichen und per iCloud zwischen mehreren iOS-Geräten abgleichen. Auch das Laden auf einen WebDAV-Server ist möglich.


Prizmo [App Store] von Creaceed (@creaceed) erkennt ebenfalls in Echtzeit die Kanten von Objekten, wenngleich weniger zuverlässig als Scanner Pro. Nach dem Scan bietet Prizmo diverse Möglichkeiten, diesen nachträglich zu bearbeiten und so die Lesbarkeit zu erhöhen. Alleinstellungsmerkmal ist die offline-Texterkennung, die in Abhängigkeit von der Qualität des Scans gut bis sehr gut funktioniert und durchsuchbare PDFs zur Folge hat. Gescannte Visitenkarten lassen sich als vCards per E-Mail versenden. Bei bestehender Internetverbindung unternimmt Prizmo sogar auf Wunsch den Versuch, extrahierten Text zu übersetzen. Wie Scanner Pro bietet auch Prizmo einen iCloud-Abgleich zwischen Apple-Geräten. Löblich: Die App ist vollständig per VoiceOver auch von Blinden bedienbar, die Sprachausgabe allerdings per In-App-Kauf nachzurüsten.


TinyScan Pro [App Store] von Appxy (@appxy_official) patzt regelmäßig bei der automatischen Erkennung von Kanten und ist zu dieser zudem erst nach dem Scan in der Lage. Die Möglichkeiten der Nachbearbeitung eines Scans sind auf nötigste Voreinstellungen begrenzt. Sollen Bilder in Farbe gescannt werden, muss man mit den unbearbeiteten Original Vorlieb nehmen. Wie bei den Mitbewerbern lassen sich auch mit TinyScan Pro mehrere Aufnahmen zu einem PDF verketten und dies anschließend an Webdienste wie Dropbox, Evernote, Google Drive oder Box.net weiterreichen. Auch der E-Mail-Export ist möglich. Im Vergleich mit der Konkurrenz wirkt die App funktionsarm. Dafür ist das Textbild annehmbar und lässt sich an andere Apps weiterreichen um Text zu extrahieren oder Scans zu faxen.


PDFpen Scan+ [App Store] von Smile on my Mac (@SmileSoftware) erkennt nach dem Scan Ecken zu scannender Objekte besser und bietet hinsichtlich Helligkeit und Kontrast immerhin weiterreichende Möglichkeiten zur Nachbearbeitung als TinyScan Pro. Dafür nervt die App mit GUI im erzwungenen Hochformat. Für Texterkennung ist keine Internetverbindung nötig; der erkannte Text lässt sich anschließend in die Zwischenablage kopieren um sich schließlich mit einer anderen App betrachten zu lassen. Umständlich! Dafür erzeugt PDFpen Scan+ auf Wunsch mehrseitige durchsuchbare PDF-Dokumente, die sich an Dropbox, Evernote, Box.net und Google Drive weiterreichen lassen. Auch unterstützt die Universal-App den iCloud-Abgleich des Dokumente zwischen mehreren Apple-Geräten oder den In- und Export von und zu einem WebDAV-Server.


CamScanner HD Pro [App Store] von IntSig (@CamCardIntSig) erfasst die Kanten nach dem Scan zuverlässig und bietet komfortable Möglichkeiten, Helligkeit, Kontrast und Farbigkeit anzupassen. Per erstaunlich schneller offline-OCR extrahiert die App den Text aus dem Scan und erstellt so ein durchsuchbares PDF. Die Möglichkeit erkannten Text aus einem Scan in die Zwischenablage zu kopieren ist, genau wie die Option einen Scan als Fax zu versenden, kostenpflichtig. Darüber hinaus bietet CamScanner HP Pro eine Vielzahl von Werkzeugen um Scans mit Wasserzeichen, Notizen oder farbigen Hervorhebungen zu versehen. Die App beitet Anschluss an einen kostenpflichtigen Webservice des Herstellers, über den sich Scans nachträglich bearbeiten und verwalten lassen. Alternativ lässt sich Gescanntes in der Dropbox, bei Evernote auf dem Google Drive oder bei Box.net ablegen.

Ein Fazit? Unter den Scannern mit OCR-Funktion bietet CamScanner HP Pro den größten Funktionsumfang. Alternativ punktet Prizmo mit grundsolider Leistung und ansprechender GUI sowie der integrierten Möglichkeit, Text zu extrahieren. Geht es exklusiv um die Qualität der Scan-Funktion, ist Scanner Pro die App der Wahl. PDFpen Scan+ hinkt dem Feld hinsichtlich Qualität der Texterkennung und Bedienbarkeit hinterher. Über TinyScan Pro kann man angesichts der Qualität der anderen Apps gegenwärtig keine großen Worte verlieren.

*Bei wem Scan-Aufgaben an der Tagesordnung sind, der sollte einen Blick auf die leistungsfähigen ScanSnap-Geräte von Fujitsu oder die handlichen Doxie-Scanner werfen. Alternativ lässt sich mit ein wenig Bastel-Geschick das Scandock von Kyle Koch zusammenzimmern und ein iPhone in einen stationären Scanner verwandeln.