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Gleich vorab bedarf es einer Warnung: Dream Revenant ist weniger Spiel, denn interaktiver Film. Gemeinsam mit Bulkypix (@bulkypix) führt Romancier George Norman Lippert als Speedbump Games den Spieler an einer engen narrativen Leine durch einer weitläufige Welt, die mit der Unreal-Engine gestaltet wurde. Bar dessen erzählt Dream Revenant [App Store] eine interessante und wohlgeformte Geschichte, die die Auseinandersetzung mit dem Titel zu einer lohnenswert-unterhaltsamen Angelegenheit macht. Doch der Reihe nach.

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Am Anfang steht das Ende, der Spieler steht vor dem Totenbett des Comic-Zeichners Carson Hughs. Er befindet sich in dessen Unterbewusstsein und hat kurz vor dem unausweichlichen Ende die Chance aufzulösen, was den Künstler ein Leben lang verfolgte. Geistergleich gleitet der Spieler durch die aus der Ferne wundervolle und bei näherem Hinsehen bis weilen matschig-texturiere Landschaft. Das Erste was die Aufmerksamkeit erregt, ist eine Schrankwand, an der mit Kreideumrissen alle Objekte vorgezeichnet sind, die der Spieler für die Auflösung von Hughs’ Verwirrung benötigt.

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An welcher Stelle welche Objekte angewendet werden sollen, ist offensichtlich: Brecheisen, Eintrittskarten und Schlüssel sind selbsterklärend. Episode für Episode erschließt sich so die interessante Vergangenheit Hughs’. Ein Festhängen ist kaum möglich. Neben einer Karte, die Orte der Interaktion in der Spielwelt aufzeigt, geben aufzufindende Comic-Seiten explizite Hinweise auf die Lösung von Rätseln. Schließlich hat der Entwickler eine Komplettlösung bereitgestellt. Eindeutig zu viel des Guten. Ein wenig Vertrauen in den Spieler hätte es schon sein dürfen.

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Aufgelockert wird das nüchterne Spielgeschehen durch Mini-Spiele, die jedoch lediglich hektischen Tippens bedürfen. Wie das an einigen Stellen fehlerhafte aber atmosphärische Sound-Design ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich der Einzelentwickler mit seinem engagierten Projekt verhoben hat. Auch wenn die Steuerung, beispielsweise beim Blättern in Büchern, exakte Eingaben verlangt, hakt es häufig – der Feinschliff fehlt. Doch trotz aller dieser Makel ist Dream Revenant ein interessantes Abenteuer, dass ähnlich wie Trauma durch seine idiosynkratische Erzählweise fesselt.

Rating: ★★★☆☆