80_Days_01
Jules Vernes Roman Reise um die Erde in 80 Tagen aus dem Jahr 1873 gehört zu den Klassikern der fantastischen Literatur. Zahlreicher Verfilmungen sei Dank ist der abenteuerliche Stoff auch ileteraten Zeitgenossen bekannt. Nun komplettiert ein Spielbuch für das iPad die mediale Ausschlachtung. Allerdings ist diese ganz lieblich ausgefallen, denn Joseph Humfrey und Jon Ingold von inkle (@inkleStudios) haben sich des Stoffes angenommen – 80 Days [App Store] sieht daher nicht nur gut aus, sondern wiedererweckt sogar die Freude am Lesen.

80_Days_02
Der exzentrische Brite Phileas Fogg lässt sich im viktorianischen England des Jahrs 1872 großspurig auf eine Wette unter Gentlemen ein. Er will in einem Zeitraum von 80 Tagen um die Erde reisen. Der Spieler übernimmt die Rolle von Jean Passepartout, dem französischen Diener Foggs, an dem die Organisation der Reise hängen bleibt. Eine anspruchsvollere und aufregendere Aufgabe als Tee zu kochen und die Zeitung des Herrn zu bügeln – wenngleich auch scheinbar triviale Aufgaben, wie das Packen der Koffer, in Passepartouts Tätigkeitsbereich fallen.

80_Days_04
Im Zentrum steht die Auswahl der Strecke und der Reisemittel, die vom Schnellzug über den Zeppelin bis hin zum mechanischen Elefanten reichen und sich vor allem hinsichtlich des Preises und der Geschwindigkeit voneinander unterscheiden. Doch nur im Gespräch mit illustren Figuren erschließen sich die effektiven Reisemittel, häufig lohnt es sich, einen oder mehrere schwere Koffer mit allerlei nützlichen Gütern auf Reisen mit sich zu führen und eine Nacht länger in der Stadt zu bleiben. Im schlimmsten Fall muss langwierig Geld aus der Heimat herbei geordert werden.

80_Days_03
Die größten Abenteuer der weitgehend textuell vermittelten Reise- und Handels-Simulation mit einem Schuss Rollenspiel laufen im Kopf des Spielers ab. Die häufig an Scherenschnitte erinnere Grafik ist schlicht und zweckdienlich, lässt aber so auch viel Raum für Interpretation und trägt zur Stimmung bei. 80 Days ist komplex, 150 Städte kann der Spieler bereisen, so dass ein zweiter Anlauf fast genau so viel Begeisterung und Neues bringt wie der Erste. Allenfalls wer im knappen Endspiel nach rund zweieinhalb Stunden patzt, ärgert sich möglicherweise so sehr, dass er einen zweiten Anlauf aufschiebt.

Rating: ★★★★½