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Das ursprünglich im Januar 2014 veröffentliche Wikinger-Spektakel The Banner Saga [App Store] zählt zu den Indie-Perlen des Jahres. Die iPad-Umsetzung ist ein weiterer argumentativer Nagel im Sarg des Vorurteils, dass man Tablets als Plattform für anspruchsvolle Spiele nicht ernst nehmen müsse. Stoic Studio (@stoicstudio), das sich aus Kickstarter-bezahlten ehemaligen BioWare-Entwicklern zusammensetzt, hat das Kunststück vollbracht, nicht nur das komplette Spiel, sondern auch das atmosphärische Spielerlebnis auf das iPad zu portieren. Also die Schwerter geschliffen, die Helme aufgesetzt und los geht das kriegerische Abenteuer.

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Alles an The Banner Saga, von der Animationsfilm-Anmutung bis zur Fantasy-Handlung, scheint einem Ralph-Bakshi-Film entsprungen. Eine brüchige Allianz aus Wikingern und Riesen zieht in Karawanen durch die frostige Landschaft, um die schwarzen Wüter zu vertreiben. In rundenbasierten Kämpfen duellieren sich die Fraktionen. Ein Großteil des komplexen Regelwerks wird allerdings zu Spielbeginn auf einen unverdaulichen Schlag serviert. Wer nicht aufpasst, hat Pech gehabt und muss später für Ahnungslosigkeit Lehrgeld zahlen. Grundsätzlich ist das Verschieben der Einheiten auf einer Matrix der schwächste Aspekt des Titels.

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Doch das ist zu verschmerzen, denn The Banner Saga ist ein handlungsgetriebenes Spiel an der Grenze zum Spielbuch. Bioware-üblich, kann der Spieler in Dialogsequenzen mit Bedacht eine Antwort wählen, die in den meisten Fällen Konsequenzen hat und den Verlauf der Handlung beeinflusst. Wie 80 Days lädt auch The Banner Saga daher zu wiederholtem Durchspielen ein. Zudem sind Management-Fähigkeiten gefragt, während der Trek durch die eisigen Lande zieht. Ob es Pausen gibt und in diesen Met ausgeschenkt wird oder ob ein Gewaltmarsch ansteht, wirkt sich auf die Moral der kämpfenden Truppe aus.

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Die Touch-Umsetzung ist tadellos gelungen. Durch Spreiz- und Kneifgesten lässt sich die Spielfläche skalieren und so zwischen übersichtlicher und detailverliebter Darstellung wechseln. Auch die Bedienung der Kämpfe geht wohl von den Fingern, wenngleich die langen rundenbasierten Kämpfe mit vielen Kombattanten die einfühlsam erzählte Geschichte bremsen. Denn in der Mischung aus Spielbuch und Taktiker ist es stets die Handlung, die den Spieler am Spielen hält, wenn die klar gezeichneten gehörnten und bärtigen Figuren über die lange Reise fast vertraut sind. Frostig fantastische Fantasy.

Rating: ★★★★½