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Darf es ein wenig Mord sein? Einen solchen servieren Relentless Software (@relentless_sw) zu Beginn von The Trace [App Store]. Der Spieler betätigt sich als deduktiver Detektiv und versucht bei einer aufmerksamen Spurensuche den Tathergang zu enträtseln sowie den Schuldigen zu ermitteln. Das erfordert vorrangig Geduld und ein waches Auge und weniger kriminologisches Talent, denn die Entwickler machen es dem Spieler einfach, indem sie ihn über weite Strecken an die Hand nehmen. Die Lupe poliert und ab an den Tatort.

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Ein grausiger Mord in einer Autowerkstatt. Die Leiche liegt im feinen Zwirn auf dem Boden. Wer es ist, lässt sich nicht sagen, denn der Kopf klemmt unter einer Hebebühne und die bewegt sich keinen Millimeter. Ähnlich wie in den grandiosen Titeln der The-Room-Serie navigiert der Spieler mit Tippgesten durch eine Reihe von Räumen, sieht sich um und löst kleine Puzzles. Meist Belangloses, wie das Zusammenfügen von Papierschnippseln; im besten Fall können eingesammelte Gegenstände in der Spielwelt angewendet werden – wobei das höchste der Gefühle das Austauschen von Sicherungen ist.

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Technisch interessanter ist die Analyse und Beweisführung. Der Spieler muss gefundene Indizien an den richtigen Stellen in eine Beweiskette einpassen, um den Tathergang nachzustellen. Zur Belohnung erhellen kurze Filme die Hintergründe der Tat. Wirklich anspruchsvoll ist das Einpassen der Beweisstücke in eine Matrix allerdings nicht. Zu eng führen die Entwickler den Spieler am Gängelband, sodass die Suche nach dem Mörder schnell zu einer Pflichtaufgabe verkommt. Allerdings punktet The Trace mit hervorragender Präsentation und einer interessanten Handlung, die knapp zwei Stunden unterhält.

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Diese Kürze des immer komplexer werdenden Mordfalls, der über drei Kapitel (hier: Schauplätze) teils überraschend-absurde Wendungen nimmt, ist kein Kritikpunkt. Schließlich fühlt man sich fast durchweg unterhalten – auch weil der Titel fernab der schrägen Rätsellogik von Point-and-Klick-Titeln wie The Whispered Word erzählt. Doch schließlich ist das ansehnliche Mörder-Mysterium zu weich gespült und zu anspruchslos, um dem Spieler nach Einsetzen des letzten Puzzleteils als denkwürdig in Erinnerung zu bleiben.

Rating: ★★★½☆