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Wenn SpryFox (@spryfox) sich auf eines verstehen, dann auf Niedlichkeit. Das haben die ehemals für Microsoft tätigen Entwickler aus Seattle in der Vergangenheit mit den bärigen Titeln Triple Town – auch nach Jahren eine uneingeschränkte Empfehlung – und Alpha Bear bewiesen. Auch die jüngste iOS-Veröffentlichung The Road Taken [App Store] lässt auf den ersten Blick verzücken, allerdings nomen est omen verlassen die Amerikaner bei der bereits im Jahr 2014 für Playstation erschienene Roguelike-Knobelei zumindest hinsichtlich der Handlung den ausgetretenen Pfand.

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Alljährlich ereignet sich Schreckliches auf einer kleinen Insel. Jeden Winter gehen Kinder zum Spielen in den Wald und kehren nicht aus diesem zurück. Der Bürgermeister bietet dem Spieler den Job, den Nachwuchs aufzuspüren. Eine Festanstellung, denn wenn sich der Spieler bewährt, darf er auch im kommenden Jahr antreten. Während der winterlichen Rettungsmissionen bewegt man sich Schritt für Schritt durch die aus bildschirmgroßen Abschnitten bestehenden Wälder. Sobald man einen Gegenstand anhebt und diesen mit sich führt, wird es kräftezehrend; ist die Kraft verbraucht, das Spiel vorbei.

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Per Tipp auf das Display wirft die Spielfigur angehobene Gegenstände und macht so den Weg frei. Auch rätselhafte Blockaden erfordern, dass Gegenstände an bestimmten Positionen stehen. Diese kräfteschonend dorthin zu bringen ist knifflig, aber Sparsamkeit zahlt sich aus, denn verbliebene Energie wird ins Folgejahr übernommen und schafft Spielraum. So bewegt man sich höchst überlegt durch die sich bei jedem Anlauf ändernde Flora, versucht möglichst vorausschauend zu planen und durch das Lösen Sokoban-ähnlicher Puzzle zum Kinderretter und Freund der Dorfgemeinschaft zu avancieren.

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Letzteres kann man beflügeln, indem man den Bewohnern im Wald Gefundenes schenkt. Steht man hoch ich der Gunst der Bevölkerung, revanchieren sich diese wiederum mit nützlichen Präsenten. Im eigenen Haus, das der Bürgermeister bald zur Verfügung stellt, hortet man allerlei das Spiel vereinfachende Gegenstände, doch das Damoklesschwert der Energielosigkeit schwebt permanent über dem Kopf des Spielers; saust es nieder, geht es zurück an den Anfand des Waldes. Diese Endgültigkeit des Spielendes verleiht jedem Zug Bedeutung, kann aber bei aller Niedlichkeit aber auch frustrieren. Roguelike eben.

Rating: ★★★½☆