Mittlerweile ist es 35 Jahre her, dass Ian Livingstone und Steve Jackson mit „The Warlock of Firetop Mountain“ einen Stein ins Rollen brachten. Die Rollenspiel-Veteranen schufen mit ihrem Spielbuch die Möglichkeit, auch ohne Mitspieler und kompliziertes Regelwerk interaktive Abenteuer erleben zu können. Tin Man Games (@tinmangames) haben sich an eine digitale Umsetzung von The Warlock of Firetop Mountain [App Store] gemacht. Mit dieser gehen die Australier weit über alles hinaus, was sie bislang schufen.


Am Anfang des Abenteuers, das zum böswilligen Zauberer auf den namensgebenden Berg führen soll, steht die Auswahl eines Helden. Vier Protagonisten unterschiedlicher Klassen stehen zur Verfügung; weitere kann man durch In-App-Käufe freischalten. Die Handlung wird genreüblich textuell vermittelt. Aufgelockert werden die Prosa-Passagen durch detailreiche Illustrationen. Stehen Entscheidungen an, wählt der Spieler aus Optionen. Untermalt wird das Geschehen von einer atmosphärischen Geräuschkulisse.


Hinsichtlich der Präsentation haben sich die Entwickler selbst übertroffen. Ähnlich wie in Inkles Sorcery!-Titeln bewegt sich die Spielfigur nach den Entscheidungen des Spielers durch eine zoombare isometrische Landschaft voller Details. Kommt es zum Kampf mit einem der zahlreichen Widersacher, werden Spielfigur und Gegner auf einem gekachelten Brett positioniert. Rundenweise wird bewegt und attackiert. Wer Widersacher aufmerksam studiert, kann ihre Bewegungsmuster erkennen. Bei einem gegenseitigen Angriff entscheidet das Würfelglück über den Ausgang.


Durch eine Rast auf entsprechenden Plätzen kann der Spieler den Fortschritt sichern, bevor einer der längeren oder anspruchsvolleren Kämpfe das Leben des Heldn kostet. Das ist wichtig, denn Spielbuch-typisch bringen Neuanfänge auch prosaische Redundanz mit sich. Grundsätzlich entfaltet die mittlerweile etwas klischeehaft anmutende Fantasy-Prosa erst in längeren Spielsitzungen ihren Reiz, dann allerdings lullt das Abenteuer vorzüglich ein. Die technisch geniale Umsetzung zeigt, wie viel man aus einem Spielbuch-Klassiker herausholen kann, der auch nach 35 Jahren bestens unterhält.

Rating: ★★★★☆