Neben Solitairica gehört das mittlerweile zwei Jahre alte Card Crawl noch immer zu den besten Kartenspielen für Einzelspieler auf iOS-Geräten. Mit Card Thief [App Store] präsentiert Arnold Rauers von Tinytouchtales (@tinytouchtales) nun den Nachfolger seines Solitär-Juwels. Die Verwandtschaft ist offensichtlich, denn wieder zeichnet sich der Illustrator Max Fiedler (@pigsell) für die Gestaltung verantwortlich. Doch statt in einer Kneipe um sein Leben zu spielen, schickt der Berliner Entwickler den Spieler diesmal als diebische Elster unter die Erde, um durch strategisches Kartenspiel Schätze zu erbeuten.


Das Spielfeld besteht aus einer Matrix, die Platz für neun Spielkarten bietet. Neben der des Spielers tummeln sich dort unter anderem Gegner, Gold, Fackeln, Verstecke und Schätze. Ziel einer Partie ist es, einen möglichst kostbaren Schatz zu erbeuten und über die Ausgangskarte zu entkommen, die als letzte des Blatts ausgespielt wird. Rundenweise zieht der Spieler den Weg des Diebes auf der Matrix vor. Dabei gilt es die sogenannten Schleichpunkte im Auge zu behalten, denn sind diese verbraucht, schwinden die ohnehin dünnen Chancen, mit reicher Beute zu entkommen.


Bemerkenswert ist, dass sich die Kartenwerte während der Spielzüge ändern. An Lichtkarten angrenzende Versteckkarten sind wertlos und Wachen aufmerksam; beseitigt man die Lichtkarten, verkehrt es sich ins Gegenteil. Je länger man Schätze ruhen lässt, desto mehr Schleichpunkte benötigt man zum Diebstahl. Auch in Abhängigkeit der Entfernung der Karten, die man in einem Spielzug miteinander verbindet, ändern sich die Zahlenwerte. Im Vergleich zum deutlichen intuitiveren Vorgänger verlangt das komplexere Card Thief deutlich mehr Einspielzeit und Lehrgeld vom Spieler.


Mittelfristig kann der Spieler Erbeutetes in Ausrüstungskarten umtauschen, die in einem Inventar am unteren Bildschirmrand mitgeführt und in brenzligen Situationen retten können. Zudem kann man sich den Zutritt zu mehreren Burgen erspielen, in deren Katakomben anspruchsvollere Gegner kostbarere Schätze bewachen. Die Idee einen Diebstahl, der mit dem Wagemut des Diebes riskanter wird, durch ein Kartenspiel abzubilden, ist frisch. Allerdings braucht es wie bei Imbroglio viel Einspielzeit, bis die Regeln internalisiert sind und Partien gut von der Hand gehen. Aus dem langen Schatten seines Vorgängers kann Card Thief nicht heraus treten.

Rating: ★★★½☆