Test: Old Man’s Journey (Video)


Old Man’s Journey [App Store] von Broken Rules (@brokenrules) setzt am Zeitpunkt im Leben eines alten Mannes ein, an dem das Leben die Charakteristik eines langen ruhigen Flusses angenommen hat. Der Lebensabend des Alten wird durch den Postboten durcheinandergebracht; ein Brief unbekannten Inhalts veranlasst den rüstigen Rentner zum Aufbruch aus dem frei stehenden Haus mit Meerblick, wo Ruhe sein selbstgewählter Begleiter war. Der Spieler assistiert und begleitet ihn bei seiner wortlos verlaufenden Wanderung, in de eigene Vergangenheit.


Mit dem Finger setzt der Spieler Wegmarken, zu denen der Alte gemächlich tapert. Der Pfad führt durch die Tiefe des handgezeichneten Raumes. Durch Ziehen kann der Spieler Hügel einebnen und so einen Weg in unzugängliche Bereiche öffnen. Später fährt man mit kreisenden Bewegungen Brücken aus, scheucht Schafe oder schifft den Senior in einem Boot über das Meer. So kommt eine homöopathische Dosis Knobelei hinzukommt, doch Old Man’s Journey ist sets mehr interaktive Geschichte denn Spiel.


Die Kulissen sind voller interaktiver Kleinigkeiten, die aus einem Ali-Mitgutsch-Buch entstammen könnten: Hier öffnet sich nach dem Antippen eine Tür, aus der ein Knabe hervorlugt, dort scheucht man eine schlafende Katze auf. Folgenreich sind diese Niedlichkeiten allerdings nicht. Dafür eröffnen andere Hotspots dann illustrierte Abstecher in die Vergangenheit des bärtigen Alten. Stück für Stück fügen sich sich so die Mosaiksteine zu einem Gesamtbild und es wird sukzessive klar, warum auf seine Reise aufbrach.


Grafisch erinnert die wundervolle Präsentation an Broken Age. Allerdings erfordert das langsame Erzähltempo – und die langsamen Bewegungen der Figur – auch, dass man sich geduldet. Wenngleich gewollt, wirkt sich die Langsamkeit – wie in Burly Men at Sea – negativ auf das Gesamtergebnis aus. Es ist zu wenig zu tun, und wenn der Spieler tätig werden darf, dann sind lediglich einfache Handgriffe gefragt. Die handgezeichneten Pastelllandschaften und die dezente Musik entschädigen für die zu langsam erzählte Geschichte. Dennoch ist die kurze persönliche Reise ein denkwürdiges Erlebnis.

Rating: ★★★☆☆