Test: Monument Valley 2 (Video)


Mit Monument Valley landeten ustwo (@ustwo) 2014 einen beispiellosen Erfolg. Ein gewaltfreies Knobelspiel mit frischer Spielmechanik, das junge wie erwachsene Spieler gleichermaßen begeisterte. Die Begeisterung reichte so weit, dass selbst der amerikanische Präsident Frank Underwood den Titel zur Zerstreuung verwendete. Der Nachfolger kann sich keine besseren Startvoraussetzungen wünschen, denn Apple verwendete Monument Valley 2 [App Store] extensiv in der Keynote der WWDC 2017, um seinen neu gestalteten App Store vorzustellen. Doch kann der Titel dem Hype gerecht werden?


Die “2” im Namen ist programmatisch: Der Spieler begleitet nicht mehr nur Heldin Ro – die ihre Vorgängerin Ida ablöst – durch die an M.C. Escher Bilder erinnernde pastellfarbenen Landschaften, sondern muss nun auch ihr Kind durch die Spielstufen geleiten. Grundsätzlich ist dabei viel beim Alten geblieben. Der Weg führt die beiden durch unmögliche geometrische Strukturen. Der Spieler muss durch Drehen an Rädern, verschieben von Plattformen und Betätigen von Schaltern die Konstruktionen so umbauen, dass die Beiden einen Ausweg finden.


Vorbildlich führt der Titel in das Geschehen ein. Der Spieler lernt intuitiv die unterschiedlichen Schiebe-, Schalter- und Dreh-Mechaniken; ebenso die Möglichkeiten der Schwerkraft trotzend auch seitwärts und kopfüber entlang der freigelegten Pfade zu navigieren. Dabei überraschen die Entwickler immer wieder mit neuen Ideen, erweitern Spielstufen unverhofft um neue Teile oder sorgen dafür, dass Mutter und Tochter getrennt werden und für die Familienzusammenführung familiäres Teamwork gefragt ist. Leider werden die zahlreichen Puzzle-Mechaniken nur vorgestellt, der Titel versäumt es, diese in anspruchsvollen Rätseln miteinander zu verketten.


Wenngleich vieles beim Alten geblieben ist, treiben ustwo das Alte auf die Spitze – und das ganz wörtlich, wenn man vereinzelt das iPad drehen muss, um die Auswege aus den architektonisch hochgrad verworrenen Spielstufen zu finden und Wege in Position zu bringen. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger mutet dieser altbacken an, denn auch grafisch legen ustwo eine Schippe drauf – klanglich ist der Titel ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Anzulasten sind Monument Valley 2 – neben der etwas kitschigen Handlung – allenfalls seine Kürze und seine Angst den Spieler zu überfordern. So bleibt das neue Abenteuer spielerisch hinter der anspruchsvolleren Erweiterung des ersten Teils, Forgotten Shores, zurück.

Rating: ★★★★☆