Nach Card Crawl und Card Thief legt Arnold Rauers von Tinytouchtales (@tinytouchtales) mit Miracle Merchant [App Store] das dritte Kartenspiel vor. Statt durch Kerker zu schleichen, steht der Spieler hier nun hinter einem Tresen, nimmt die Bestellungen allerlei illustrer Gäste entgegen und bemüht sich als Braumeister, die Kundenwünsche bestmöglich zu erfüllen. Wenngleich sich diesmal Thomas Wellmann statt “Hausillustrator” Max ‘pigsell’ Fiedler für die grafische Gestaltung verantwortlich zeichnet, ist der zugängliche Tinytouchtales-Stil unverkennbar.


Jedes Gebräu besteht aus vier Zutaten. Diese bildet Miracle Merchant als Spielkarten ab, die der Spieler von vier verschiedenfarbigen Zutaten-Stapeln zieht. Lediglich eine Zutat von bestimmter Farbe muss im Gebräu enthalten sein, damit der jeweilige Kunde zufrieden ist. Kann man den Kundenwunsch nicht erfüllen, endet die Partie. Als kurzfristigen Ausweg kann man die Klienten allerdings auch wegschicken, damit diese dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut vorstellig werden. Wer es den Kunden genehmer machen möchte, mischt eine zweite gewünschte Zutat hinzu und kassiert dafür Bonuspunkte.


Grundsätzlich ist der Tresenjob ein leichtes Unterfangen – wenn man denn vorsichtig ausschenkt und so dafür sorgt, jede Zutat vorrätig zu halten. Doch erst wer gewagt an den Mischmörser tritt, darf sich über reichen Punktesegen freuen. So sind Tränke, die zwei oder mehr gleichfarbige Karten enthalten wertvoller. Ein Symbol in der unteren Hälfte der Zutaten-Karten verweist zudem darauf, in Kombination mit welchen anderen Komponenten sich besonders lukrative Tränke brauen lassen. Der schmale Grad zwischen Vernunft und Gier ist der Pfad, auf dem man in Miracle Merchant wandelt.


Und wie es bei den Kartenspielen von Tinytouchtales gute Sitte ist, stecken die Teufeleien in den Details. So ist es für die Punktewertung nicht nur von Belang, welche Karten man verwendet, sondern auch wann man welche Zutat hinzufügt. Zudem zwingen zufällig auftauchende schwarze Zutaten meist dann zur Improvisation, wenn die Planung in eine gänzlich andere Richtung läuft. Die gefälligen Illustrationen von Wellmann legen ein Kinderspiel nahe, doch Miracle Merchant entpuppt sich nach einigen erfolgreichen Runden als unterhaltsame Solitär-Kopfnuss.

Rating: ★★★★☆