Willkommen zurück am Rusty Lake. Mit Rusty Lake Paradise [App Store] legen die Holländer von Rusty Lake (@rustylakecom) den mittlerweile dritten Teil ihrer idiosynkratischen Adventure-Serie vor. Nachdem man in Rusty Lake Hotel ein mörderisches Dinner für anthropomorphisierte Zeitgenossen organisieren musste und bei Rusty Lake Roots den Wurzeln des Familienstammbaums folgte, geht es im jüngsten Teil um die sieben biblischen Plagen. Die Nachricht vom Tod der Mutter führt den Protagonisten auf die aus den ersten beiden Teilen bekannte Insel im Rusty Lake, wo es mindestens schräg und bestenfalls ein wenig pervers zu geht.


Die Holländer verfahren linientreu: Atmosphärisch fährt Paradise im Fahrwasser der Vorgänger und auch spielerisch bleibt alles beim Alten. Der Spieler erkundet in jedem Abschnitt eine handvoll Bildschirme und sammelt auf diesen Gegenstände in ein Inventar, um sie an anderer Stelle einzusetzen um so Rätsel zu lösen oder Aufgaben zu erfüllen. Der Umfang der jeweiligen Abschnitte ist überschaubar und die Kulissen wiederholen sich mit der Zeit, wenngleich immer neue Figuren auftreten, Familienmitglieder mit Läusen, in Kisten und Kochtöpfen – Rusty Lake bleibt unbehaglich.


Merkt man dem Titel deutlich seine “Escape the Room”-Wurzeln an, wurde die Formel mit Paradise verändert: Vielfach muss der Spieler nicht die interessanten Inventarrätsel lösen, sondern stattdessen Logik-Puzzle. Anfangs unterhaltsam, wird dies bald ermüdend, wenn diese sich über mehrere, stets komplexer werdende, Runden erstrecken. Wenn man minutenlang damit verbringt herauszufinden, in welcher Reihenfolge ein Frosch über Seerosenblätter springen muss, dann ist dies nichts, was Abenteuerlustige unterhält. Im Gegenteil.


Abseits dieses Malus spielt Paradise die durch die Vorgänger etablierten Stärken aus: eine kryptische biblisch inspirierte Handlung, skurrile Charaktere und eine stets präsente unheilvolle Atmosphäre. Wer festhängt, kann sich mit der YouTube-Lösung auf die Sprünge helfen, die in den Titel integriert ist. Aus jedem Pixel verströmt Paradise den Charme einer Indie-Produktion, wirkt gleichfalls aber hochwertig – kann aber zu keiner Zeit aus den langen Schatten treten, die seine strahlenden Vorgänger werfen.

Rating: ★★★½☆