Test: The Room – Old Sins (Video)


Mit dem mittlerweile vierten Teil der “The Room”-Serie, The Room – Old Sins [App Store], reisen die britischen Entwickler von Fireproof Games (@fireproof_games) zu ihren spielerischen Wurzeln – zu Bewährtem und immer wieder in den Jahresbestenlisten Vertretenem – zurück. Wieder darf der Spieler – wie schon in den drei Vorgänger-Teilen – in bestechend schönem Retina-Ambiente, das vor Detailverliebtheit trieft, haptische Rätsel lösen und die Mechaniken fantastischer Apparaturen erkunden. 


Vertraute Klänge begrüßen den Spieler auf dem Startbildschirm, so dass sich das vierte Abenteuer der Serie anfühlt, wie zum Beginn des Winters nach einem Jahr wieder in die pelzbesetzten Stiefel zu schlüpfen. Eine wohlige Behaglichkeit macht sich breit und eine Vorfreude darauf, mechanische Wunderwerke inspizieren und enträtseln zu dürfen. Auf einem schummrigen Dachboden blickt der Spieler auf ein Puppenhaus, das in den kommenden fünf Stunden seine Heimat wird. Mit Hilfe eines zauberhaften Okulars schrumpft man und erkundet man das Innere der Räume.


Jeder Räume ist wenige Stationen unterteilt, die man mit wachem Auge inspizieren muss. Herumliegendes wird in ein Inventar gesammelt, um an anderer Stelle eingesetzt zu werden. Im einfachsten Fall ein Schraubenzieher, um mit intuitiven Drehbewegungen Schrauben zu lösen. In komplexeren Fällen müssen Gegenstände aus einem Raum in einem anderen verwendet werden. Im Gegensatz zum Vorgänger, in dem der Spieler teils lange Wege zurücklegen musste, ist die Welt im Puppenhaus kompakter, was sich positiv auf den Spielfluss auswirkt.


Im Spielverlauf stellt sich das Setting als großen atmosphärischen Gewinn heraus, der die räumlichen Episoden hervorragend klammert. Die Infrastruktur – Wasserleitungen und Fahrstühle – werden zu verbindenden Elementen. Beeindruckend weiter, wie die Briten immer wieder neue Varianten klassischer Puzzle erschaffen, bei denen man teilweise mit beiden Händen auf kunstvoll verzierten Objekten herumfingert, dreht, zieht und schiebt. Wer festhängt, lässt sich vom dreistufigen Rätselsystem auf die Sprünge helfen, das seine Hinweise in Stufen konkretisiert.


Wenngleich der Spieler zum Lösen der Puzzle mehrere Räume besuchen muss, ist der Weg durch das Spiel linear – Schlüssel öffnet Tür hinter sich der Schlüssel für die nächste Tür verbirgt. So irrt der Spieler durch die Räume mit der Lösung im Inventar auf der Suche nach dem passenden Rätsel. Schlüssel und Schloss sind das Leitmotiv. Die konfuse Rahmenhandlung erschließt sich sukzessive durch Tagebuchseiten und lässt sich in die in den Vorgängern erzählte Geschichte einweben – allerdings tritt diese angesichts der fesselnden Rätselei schnell in den Hintergrund.


Beschwerdeführer haben es schwer, denn es gibt an The Room – Old Sins kaum etwas zu meckern. Allenfalls, dass einige der Rätsel etwas ausgelatscht sind, wenn man sie in Iterationen lösen muss – das störte aber bei Rusty Lake Paradise deutlich stärker. So ist der vierte Teil der “The Room”-Serie der bislang eindeutig beste, ein atmosphärisch dichtes Rätselvergnügen, das dem Spieler schwallweise das Gefühl gibt, ein ganz schlauer Fuchs zu sein. Und einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, weil der nächste Teil womöglich wieder Jahre auf sich warten lässt. Qualität braucht eben seine Zeit.

Rating: ★★★★★