Test: Waking Violet (Video)


Violet ist ein Mädchen an der Grenze zum Teenager, das mit einsetzender Pubertät kein Interesse mehr daran hat, sich von Erwachsenen sagen zu lassen, was sie tun und zu lassen hat. Verärgert flüchtet sie sich in eine labyrinthische (Alp-)Traumwelt, durch die der Spieler sie in Waking Violet [App Store] dirigieren muss. Der Titel ist eine italienische Koproduktion der Entwickler Marco Mastropaolo (@mxanathar) und dem als Mixed Bag Games (@MixedBagGames) bekannten Mauro Fanelli, der in der Vergangenheit mit Titeln wie Forma.8 Go und Futuridium EP positiv auf sich aufmerksam machte. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.


Das Geschehen wird aus der Draufsicht präsentiert. Gesteuert wird Violet bei ihrem Weg durch die Traumwelt-Labyrinthe über virtuelle Schaltflächen. Ein virtuelles Steuerkreuz und vier Aktionstasten, die sich erst im Spielverlauf mit Aktionen füllen. Grundsätzlich nicht ungewöhnlich, stellt sich diese Bedienung von Anfang an als problematisch heraus, denn der Spieler muss die Tasten, deren Position oder Größe sich nicht ändern lassen, genau treffen. Mit einem Bluetooth-Controller sieht die Sache allerdings anders aus und der Steuerungs-Ärger verpufft…


…fast zumindest, denn Violet besteht darauf, dass der Spieler sie exakt positioniert, wenn der sie durch die engen Gänge schicken möchte. Ob der mangelnden Mitarbeit der Protagonistin entfahren dem Spieler ungewollte Laute genervten Unbehagens. Das Spielprinzip ähnelt zunächst dem Klassiker Sokoban: Violet schiebt Kisten aus dem Weg oder schiebt diese in gewünschte Positionen, um sich Brücken zu bauen oder Feinde einzusperren. Wie beim Arcade-Klassiker kann die Heldin lediglich schieben und nicht ziehen, was planvolles Handeln unumgänglich macht.


Sukzessive lernt Violet neue Fähigkeiten und kann beispielsweise die in herumliegenden Mana-Flaschen enthaltene Energie als Sprengkraft einsetzen, um sich blockierte Wege freizuräumen oder für Sekunden über Wasser zu laufen, allerdings muss das Mana erst beschafft werden und dies ist derart knapp, dass es jeden Schritt genau zu überlegen gilt. Um es dem Spieler etwas leichter zu machen, haben die Entwickler eine Zeitmechanik integriert: Mit einem Tipp kann Violet in der Zeit zurück reisen, und so Fehler ungeschehen machen oder von den Toten wiederauferstehen.


Von dieser Funktion muss der Spieler allerdings regen Gebrauch machen, denn die Spielstufen sind als Knobeleien darauf ausgelegt, dass der Lösungsweg viel Überlegung erfordert. Ärgerlich nur, wenn das Licht im Kopf des Spielers erst spät aufleuchtet und man fast alle Schritte wieder rückgängig machen muss. In Verbindung mit der störrischen Steuerung kommt so leicht Frust auf. Ärgerlich auch, dass der Titel trotz schlichter Anmutung und vermutlich ob des Unity-Unterbaus den Akku förmlich leer saugt. Begeisterung will so nicht aufkommen, auch nicht auf dem Apple TV, zu dem Waking Violet kompatibel ist.

Rating: ★★★☆☆