Test: Pocket City (Video)


Will Wrights SimCity aus dem Jahr 1989 ließ Stadtplaner zum Traumjob werden. Fesselnd war es, über Tage eine Kleinstadtsiedlung zu einer Metropole zu erziehen und dabei alle Wachstumsschmerzen zu lindern, die explosionsartiges Urbanwachstum mit sich bringt. Bei all dem kontinuierlichem Stress – und dem durch Kernschmelzen und Monsterattacken zusätzlich auftretendem – das Wohlergehen der virtuellen Bevölkerung war eine großartige Motivation. Bobby Li (@pocketcitygame) unternimmt mit Pocket City [App Store] den Versuch, das wundervolle Spielerlebnis auf das iPad zu transportieren.


Aller Anfang ist Rathaus. Die Zentrale der Macht steht auf einer Wiese im Nirgendwo und die bürgermeisterliche Assistentin Anna wartet schon ungeduldig darauf, Hilfestellung zu geben. Auf einem Menü wählt man Straßen, Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete und pflastert durch intuitive Gesten mit diesen die Landschaft zu. Leider hat all das seinen Preis und die Stadtkasse leert sich. Zudem haben die Bewohner Ansprüche: Für Elektrizität und fließend Wasser soll doch bitteschön gesorgt sein. Die Tücken der Stadtplanung werden schnell evident – doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.


Mit einem Auge auf die (Grund-)Bedürfnisse der Menschen – Wohnen, Arbeit, Shopping – vergrößert man die Stadt; sorgt brav für mehr Wasser, Energie und Straßen bis zu Luft zu dick wird und die Bevölkerung nach Parkanlagen schreit, nach Stadien, und schließlich nach alledem das Shelbyville hat, das Springfield fehlt. Um den Spieler mit den zahlreichen Optionen nicht zu überfordern, bricht Pocket City seine Komplexität herunter. Es stellt dem Spieler Aufgaben, durch die er seine sich ihm nach und erschließenden Instrumente kennenlernt.


Ein Blick in die zahlreichen Statistiken hilft bei der erfolgreichen Weiterentwicklung. Sie zeigt auf, wo die Straßen verstopft sind und wie sich die Warenflüsse verhalten und schließlich auch, wie es um die Steuerschraube bestellt ist, an der man drehen darf – immer auf die Gefahr hin, seine Bewohner zu vergraulen. Wem all das bauen zu konstruktiv ist, der bestellt sich eine Naturkatastrophe – ein Tornado spart das Planieren und schafft den für die Umgestaltung eines Viertels nötigen Freiraum.


Viel Liebe im Detail steckt in Pocket City, das ist evident wenn man in das Geschehen zoomt und die Menschen beim Verrichten ihrer Alltäglichkeiten beobachten darf. Die pastellastige Farbwahl und kitschigen Figuren sind indes überdreht. Leider handelt es sich nicht um einen genuin für iOS entwickelten Titel, statt einer iCloud-Unterstützung muss man Codes eingeben und ein Wechsel von Hoch ins Querformat erfordert ebenfalls einen Abstecher in die umfangreichen App-Einstellungen wo man zudem den Detailgrad der Darstellung bestimmen darf.


Vor allem neben dem von Timer-Mechaniken verseuchten Freemium-Titel SimCity BuildIt [App Store] zeigen sich die Qualitäten von Pocket City. Der Spieler darf sich ganz auf seine Arbeit als Bauherr und Stadtvater konzentrieren – seine Geburtsstadt nachbauen oder eine Metropole erschaffen. Trotz einer etwas umständlichen Bedienung, die vor allem aus verschachteln Menüs herrührt, ist Pocket City in der Lage das Loch im Herzer derer zu stopfen, die sich seit Jahren nach einer zugänglichen Städtesimulation sehnen und ihre Sim-City-Jugend noch einmal auf dem Tablet aufleben lassen möchten.

Rating: ★★★★☆