Test: Barbearian (Video)


An manchen Tagen geht alles schief. Einen solchen erlebt der namengebende Held aus Barbearian [App Store] der zu Spielbeginn aus dem Himmel plumpst und in einer fremden Welt hart vor den Arbitrators aufschlägt. Diese machen sich einen Spaß daraus, Individuen als Repräsentanten ihrer Spezies auf Würdigkeit zu prüfen. Die Prüfung entpuppt sich schnell als eine infernale Metzelei. Nach Cosmic Mechanic, Drift’n’Drive und Trigonarium ist das Schlachtfest das vierte und ambitionierteste iOS-Projekt von Kimmo Lahtinen (@gimblll).


Bei genauem Hinsehen erweist sich die winzige Spielfigur als bewaffneter Barbar im Bärenfell. In seiner Rechten eine mächtige Streitaxt, die der Winzling per Tipp auf eine virtuelle Taste schwingt. Mit dem linken Daumen bewegt man den Streitbeaxteten durch die isometrische Landschaft, deren Flora er nach Belieben zu Kleinholz verarbeitet. Als weitere Angriffsmöglichkeit steht dem Mini-Krieger ein Kopfstoß zur Verfügung. Dieser richtet deutlich mehr Schaden an, lässt sich aber nicht kontinuierlich einsetzen, sondern muss über fünf Sekunden abklingen.


Gegner lassen sich nicht lange bitte und stürmen nach Sichtung auf den Barbearian zu, sobald dieser in deren Nähe kommt. Mit gezielten Hieben und Stößen dezimiert man die Angreifer die köstliches Obst hinterlassen. Dieses kann man einerseits eintauschen, um in Schlachten verbrauchte Lebensenergie wiederherzustellen. Zudem kann man mit Kiwi, Melone & Co, auch Ausrüstungsgegenstände erstehen, sodass man den Horden des Bösen mit schwererem Geschütz die Gebeine um die Ohren feuern kann.


Eine der weitläufigen isometrischen Spielstufen ist abgeschlossen, wenn der Barbearian den letzten Anführer der schändlichen Horden besiegt. Diese sind in der Regel etwas härter im Nehmen – wie auch im Austeilen. Was Barbearian vom spielerisch durchaus vergleichbaren Minigore unterscheidet ist, dass der kleinformatige Held auf seinen Schlachtzügen Gefangene befreien kann, die ihm anschließend als Gefolgsleute zur Seite stehen – und sich, ausreichend Obst vorausgesetzt – tötungsvoll ausstaffieren lassen.


So kommt ein wenig Taktik in die Metzelei, bei der bald mehr als 100 Figuren sich auf dem Bildschirm die Seele aus dem Leib prügeln. Das Geld lieber für das Anwerben neuer Truppen, deren Ausstattung oder eher neue Waffentechnologien aufwenden. Am Ende steht jedoch stets ein weiteres kurzweiliges und spannendes Massaker in liebevoll handgezeichneten Umgebungen. Die Areale komplizieren sich zusehends. Neben den üblichen Verdächtigen müssen sich Barbearian und Gefolgschaft bald mit Mörserfeuer und immer zahlreicheren wie tödlicheren Gegnerhorden herumschlagen.


Wäre Barbearian ein Konsolentitel, dann würde man ihn als „Button Masher“ kategorisieren. Der Unterstützung für Bluetooth-Controller sei dank, ist der Titel auch auf iOS als solcher klassifizierbar. Das Hämmern auf virtuelle oder reale Knöpfe wird untermalt von seichtem Chiptunes-Gedudel. Barbearian ist grundsätzlich unverschämt schwer, lässt sich aber vorbildlich auf persönliche Kompetenzen anpassen – von der Schmerzlichkeit gegnerischer Treffer bis zur Kaufkraft eingesammelter Devisen kann man das Spielerlebnis zuschneiden.


Im Gegensatz zu seinen früheren Werken macht Lahtinen mit Barbearian einen mutigen Schritt bei der Preisgestaltung. Tatsächlich rechtfertigen nicht nur die mehr als zehn Stunden Spielzeit die Ausgabe, sondern auch die Intensität des Spielablaufs. Barbearian ist simpel aber packend und ein Scheitern lässt man sich kaum gefallen, sondern stürzt sich stattdessen – nach Aufrüsten der Gefolgschaft – mit der Axt in das Getümmel. Barbearian ist simpel, kurzweilig und packend, willkommen im der Königsklasse des Mobile-Gaming.

Rating: ★★★★½