Test: Eggggg – The Platform Puker (Video)


In der Geschichte der Videospiele unternahmen Entwickler immer wieder Abstecher in widerwärtige Gefilde. Kato & Ken pupsten sich 1987 auf der PC Engine den Weg frei. Boogerman setzte 1994 auf dem Sega Mega Drive seine Popel als Waffe gegen Widersacher ein. In dieser Tradition steht auch Eggggg – The Platform Puker [App Store] der norwegischen Entwickler von Hyper Games (@hypergames), bei dem sich der Held sein Erbrochenes zu nutze macht. Eine Ei(weiß)-Allergie ist der Grund des Übergebens und da verbiestertes Geflügel zahlreich vorhanden ist, wird in Eggggg erbrochen was der Touchscreen hergibt.


Den einen Irokesen-Schnitt tragenden Gilbert hat es in eine fantastische von Adventure Time inspirierte Zeichentrick-Welt verschlagen. Leider ist diese übervoll von Geflügel, auf das Gilberts Körper mit einer oralen Abwehrreaktion reagiert. Während Gilbert selbsttätig läuft kann man ihn durch die Tippen auf die linke oder rechte Bildschirmhälfte zum Erbrechen bewegen, worauf hin er einen kleinen Luftsprung in die Laufrichtung macht oder sich umdreht und in die entgegengesetzte Richtung strebt. So geht es heiter brechend über Plattformen und Abgründe.


Das Geschehen kompliziert sich alsbald, da Gilbert Schalter in der richtigen Reihenfolge aktivieren muss, um den weiteren Weg freizumachen oder den Weg über sich bewegende Plattformen nehmen. Dabei zeigt sich dann auch, dass die originelle Art der Fortbewegung – die sogar Walljumps ermöglicht – dann bei weitem nicht so präzise ist, wie man sich das bei einem Plattformer wünscht. Allerdings sind die Rücksetzpunkte zahlreich, sodass sich der Frust über die wenig sägliche Steuerung in Grenzen hält.


Kurzfristig darf Gilbert alternative Fähigkeiten verwenden, wenn sein Erbrochenes ihn an Wand und Decke haften lässt, oder ihn wie eine menschliche Rakete durch die Spielstufe katapultiert. Um den knappen Umfang von 21 Spielstufen etwas zu strecken und auch alle Spielstufen aufzuschließen, darf der Spieler in den Abschnitten jeweils versteckte goldenen Eier oder Sterne einsammeln. Wer schließlich nicht genug bekommen kann, dem steht das faire Angebot offen, per In-App-Kauf 15 weitere Spielstufen zu eröffnen.


Eggggg, das auf Kinderfilm Gilbert’s Grusomme Hevn basiert, ist fraglos gefällig. Die ansprechende Grafik, der zunächst niedrige Schwierigkeitsgrad und die schlichte Bedienung lullen ein – bis es ans Eingemachte geht und sich zeigt, dass die Steuerung lediglich ein nettes Gimmick ist, aber einen präzisen Autorunner-Plattformer nicht zu tragen vermag. Die überdrehte Präsentation und zahlreiche originelle Ideen können viel ausbügeln, Eggggg allerdings nicht in die Oberklasse der iOS-Plattformer heben.

Rating: ★★★½☆