Test: Evergarden (Video)


Der Name legt es nahe, in Evergarden [App Store] geht es um blühende Landschaften. Genau genommen um durch strategisch geschicktes Vorgehen zum Blühen zu bringende Edelstein-Landschaften. Die Knobelei erdacht haben die Entwickler von Flippfly (@Flippfly), die bereits mit ihrem iOS-Erstling Race the Sun 2015 positiv auf sich aufmerksam machten. Doch statt endloser Raserei und schnellen Reflexen sind nun vorausschauendes Planen und viel Freizeit gefragt.


Die Spielfläche besteht aus Hexagonen, kargen Bodenflächen, aus denen vereinzelt Pflanzen sprießen. Durch Ziehen einer dieser Pflanzen, kann man deren Samen auf ein leeres angrenzendes Hexagon entleeren. Ist der Samen aller Pflanzen wie gewünscht in der Nachbarschaft verstreut, endet die Runde und die Samen legen einen Vegetationssprint ein, um sich anschließend als potenziell weitere Samen verstreuende Sprösslinge zu präsentierten. Nebeneinander wachsende, gleichartig entwickelte Pflanzen kann man auf diese Weise miteinander paaren und auf die nächst höhere Evolutionsstufe heben.


Ablesbar ist der Entwicklungsstand einer Pflanze an der Zahl der Blütenblätter, die mit jeder erklommenen Sprosse der Evolutionsleiter zunimmt. So sät und erntet man zunächst experimentierend vor sich hin, bis ein Fuchs am Spielfeldrand von einem bestimmten pflanzlichen Arrangement träumt, das der Spieler nachzubilden hat. Zur Belohnung taucht auf dem Spielbrett eine Pflanze auf, die der Spieler in einem Inventar platzieren darf, um sie zu einem passenden Zeitpunkt beim Nachbau eines Arrangements zu verpflanzen.


Im Umfang der begrenzten Runden sät und erntet der Spieler so gut und clever er kann. Um für freien Platz auf dem Spielfeld zu sorgen, kann die Spieler zwei höchstgezüchtete Pflanzen miteinander paaren, die sich in der Folge in einen störenden Sandhaufen verwandeln – der dem Spieler jedoch im Gegenzug weitere Runden spendiert. Das Geschehen kompliziert sich bald durch das auftreten von Schädlingen, Gürteltiere die Felder blockieren oder Häschen das sorgsam hochgezüchtete Grünzeug kaltblütig abfressen.


Tatsächlich ist bei Evergarden jedoch mehr im Busch. Langsam aber immer langsamer eröffnen sich dem Spieler durch erfolgreich absolvierte Partien Areale eines Zauberwaldes. In diesen erlernt er neue Fähigkeiten, die den Fortschritt im Kernspiel einfacher machen. Neben der Punktehatz halten daher der Erkundungstrieb bei Laune und die Frage, welche neuen Fähigkeiten ein noch längeres Spiel ermöglichen. Hierin liegt die wesentliche Stärke von Evergarden: Je länger man sich mit dem Titel beschäftigt, desto fordernder wird das Spiel.


Die hochauflösende märchenhafte Aufmachung mit Zauberfuchs und dezentem Glockenspiel gefällt, kann aber nicht kaschieren, dass ein Wurm im technischen Unterbau steckt: die Partien saugen unerhört stark am Akku des iPads. Auch spielerisch ist vieles aus Titeln wie Triple Town und Topsoil bekannt. Dennoch bietet Evergarden vor allem Spielern, die auf der Suche nach einer längerfristigen Zeitverschwendung sind gute Knobel-Unterhaltung.

Rating: ★★★★☆