Test: Where Shadows Slumber (Video)


Ein grimmiger Start, den Game Revenant (@GameRevenant) für ihren iOS-Erstling Where Shadows Slumber [App Store] wählen: Niemand weiß, welcher Teufel Obe ritt, als er in den finstren Wald auszog. Eine dumme Idee – vor allem, weil ihm alsbald böswillige Waldbewohner eins überbraten und er sich Gefangenschaft wiederfindet. Doch das Schicksal drückt ein Auge zu. In einem günstigen Moment gelingt Obe die Flucht die er – nur mit seiner magischen Laterne in den Händen – überstehen muss.


Im Kern dreht sich in Where Shadows Slumber alles um das Verhältnis von Licht und Schatten. Trifft das Licht von Obes Funzel – oder später das anderer Quellen – auf Objekte in der Spiellandschaft, entsteht hinter diesen ein schwarzer Kegel aus Dunkelheit. Ein solcher Schattenstreif ist in der Lage, Objekte dergestalt zu verändern, dass sie für das Fortkommen dienlich werden. So verwandeln sich beispielsweise im Wasser treibende Trümmer in eine drehbare Brücke, über die Obe einen sonst unpassierbaren Strom überwindet.


Eine wesentliche Tücke liegt darin, dass ein wiederholtes Beschatten die hilfreichen Konstruktionen auflöst. So gilt es, Obes Weg auf den labyrinthischen Pfaden sorgsam zu planen. Hilfreich sind dabei Schalter, die weitere Lichtquellen aktivieren. Deren Schein schützt Objekte vor einer Veränderung durch den Schattenwurf von Obes Laterne. Im Bezug auf die Vermittlung dieser schon grundsätzlich anspruchsvollen Spielmechanik legen die Entwickler ein stattliches Tempo vor.


Noch während der Spieler die Abstraktion physikalischer Logik zu begreifen versucht, konfrontieren die Entwickler ihn mit Spielwelt-Objekten wie Monolithen, deren Größe und damit Schattenwurf der Spieler verändern kann. Damit nicht genug, beeinflusst der Schattenwurf bestimmter Objekte nur bestimmte Hindernisse. Aufgrund der Vielzahl der zusammenspielenden Mechaniken kommt man durch stumpfes Ausprobieren mit Schaltern, Lichtquellen und Wegführung nicht weit. Wer nicht begreift, bleibt auf der Strecke.


Wer jedoch am Ball bleibt, wird während Obes abenteuerlicher und überraschend gewalthaltiger Reise – wenn in animierten Szenen Figuren ertränkt oder mit viel Aggression erschlagen werden – mit weiteren Rätsel-Ebenenen belohnt. Bald begegnet er wie Lemmings durch die Spielwelt tapernden Figuren, die Schalter auslösen und Wege versperren. Die Aktionen dieser hirnlosen in geordnete Bahnen zu lenken, ist nur einer der zahlreichen weiteren Komplikationen, denen sich der Spieler stellen muss.


Die isometrische Spielwelt, die aus meist lediglich bildschirmgroßen Spielstufen besteht, erinnert an Monument Valley. Die detailarme Vektor-Grafik verweist auf Pan-Pan. Die Licht-und-Schatten-Spielmechanik ruft in iOS-Veteranen Erinnerungen an das noch immer uneingeschränkt empfehlenswerte Helsing’s Fire wach, bei dem Vampirjäger Untoten und Dämonen mit Fackelschein den Garaus machen. Doch wo angesichts dieser strahlenden Einflüsse viel Licht ist, hat Where Shadows Slumber auch seine Schattenseiten.


Nachdem der Titel zunächst hohe Anforderungen an den Spieler stellt, mäandert der Schwierigkeitsgrad im Spielverlauf stark. Auch der Weg, auf dem Obe den Fingerzeigen des Spielers folgt, ist nicht immer der gewünschte und schließlich ist nicht immer deutlich, mit welchen Spielwelt-Objekten eine Interaktion möglich ist. Doch selbst die Gesamtheit dieser Scharten vermag den Titel nicht wesentlich zu verhäßlichen. Where Shadows Slumber ist eine anspruchsvolle, ansehnliche und originelle Kopfnuss.

Rating: ★★★★☆