Test: Very Little Nightmares (Video)


Orientierungslos in einem fremden Herrenhaus aufzuwachen, gehört zu den eher unangenehmen Möglichkeiten, in den Tag zu starten. Genau so geht es aber dem kleinen Mädchen Six in seinem gelben Regenmantel, der Protagonistin von Very Little Nightmares [App Store]. Ihren ersten Auftritt hatte die junge Dame im Puzzle-Jump-’n’-Run-Adventure „Little Nightmares“ von Bandai Namco (@bandainamcode). Die nun anschließende Grusel- Knobelei im Hochformat wurde von Alike Studios (@alikestudio) für iOS umgesetzt.


Mittels Tippgesten dirigiert man Six durch die düsteren isometrischen Räume eines Herrenhauses. Grundsätzlich eher schleichend unterwegs, kann man sie per Doppeltipp zu mehr Leistung animieren. Ziel ist es, in den jeweiligen Spielabschnitten einen Ausweg zu finden, ohne dass die Spielfigur zu Tode kommt. Möglichkeiten zum Ableben gibt es viele, neben poröser Bausubstanz vor allem einen langgliedrigen Alten im Rollstuhl, der das Mädchen zu fangen versucht, sobald es auch nur einen Zipfel des gelben Friesennerzes erspäht.


Eine wesentliche Herausforderung besteht darin, den Ausweg aus dem schlecht beleuchteten Gemäuer überhaupt zu erkennen. Hinzu kommt, dass dieser meist versperrt ist und Six Schalter und Hebel bedienen oder versperrte Türen durch Aufschließen oder Entriegeln öffnen muss. Bald kommt es aber vorrangig auf Geschick an, wenn es darum geht, andere Figuren aus dem Weg zu locken und schnell, wie im richtigen Moment, an Gefahren vorbeizuziehen. Nicht immer klappt das so wie gewünscht, da der Steuerung der Feinschliff fehlt.


Diese Defizite weiß Very Little Nightmares mit ansprechender Präsentation zu kaschieren. Die Kulissen und Figuren sind voller Details und die überwiegend aus gruseligen Geräuschen bestehende akustische Kulisse passt hervorragend dazu. Worüber auch Schönheit nicht hinwegzutrösten vermag, ist die Inkonsistenz des Puzzle-Designs. Manche Kisten kann Six erklettern, andere mit gleicher Höhe hingegen nicht. Manche Leitungen sind erklimmbar, andere nicht. Manche Möbelstücke kann Six verrücken, andere nicht.


Diese Ungereimtheiten führen, gepaart mit der Düsternis der Spielwelt, dazu, dass man statt sich gezieltem Rätsellösen zu amüsieren, sich immer wieder die Zeit mit forschendem Umhertippen und Ausprobieren vertreibt. Zudem wird das iPad während des Spielens spürbar warm, während der Energiespeicher sich merklich leert. So ist Very Little Nightmares am Ende dann eher eine Zwischenmahlzeit für Fans von Limbo, Where Shadows Slumber oder Monument Valley, die so großen Hunger auf düstere Rätselspiele haben, dass sie diesen Defizite im Spieldesign nachsehen.

Rating: ★★★☆☆