Test: Bad North – Jotunn Edition (Video)


Der Traum von der eigenen Insel muss nicht einem idyllischen Leben gleichkommen. Das lehrt Bad North [App Store] der schwedischen Entwickler von Plausible Concept (@PlausibleCon), das bereits seit Ende 2018 für zahlreiche Systeme erschienen ist und nun durch Raw Fury (@rawfury) auch im App Store veröffentlicht wurde. Wackere Nordmänner müssen ihren von Wasser umgebenen Grund, Boden und vor allem die darauf befindlichen Gebäude gegen bewaffnete Vikinger-Invasoren verteidigen, die sich wieder und wieder auf dem Seeweg an Angriffen versuchen.


Das Eiland ist schlicht, wie auch die gesamte Anmutung des Titels. Truppen, Häuser, Schiffe sind grafisch auf des Wesentliche reduziert, was aber zur Übersicht beiträgt. Mit intuitiven Gesten dreht man das Eiland, um alles im Blick zu behalten; zoomt an das Geschehen heran und aus diesem heraus. Die brav auf ihren Marschbefehl harrenden Truppen kommandiert man mit Tippgesten zu ihrem Ziel, wo sie je nach Waffengattung (Bogenschützen, Schwert- und Lanzenträger) selbsttätig bei Feindkontakt kämpfen.


So geht es dann Insel für zufällig generierte Insel daran, die Truppen zu positionieren und umzudisponieren. Stets verlangsamt sich dabei die Zeit, damit man die taktischen Entscheidungen in aller Ruhe treffen kann, bevor das hektische Gemetzel dann wieder seinen Lauf nimmt. Je besser man die Insel und Gebäude verteidigt, desto höher fällt die monetäre Belohnung aus. Diese dient der Verbesserung der Truppen, die man in Waffengattungen befördert. Um so schmerzlicher ist es wenn ein Trupp mit ihrem Kommandeur in der Schlacht fällt, denn Permadeath folgend, gilt auch in Bad North: tot ist tot.


Um dies ärgerliche Schicksal zu vermeiden, muss man gegebenenfalls ausgedünnte Truppen von der Front zurückpfeifen und mit Dorfbewohnern auffüllen oder sogar in eines der leeren Schiffe überwältigter Invasoren steigen, um aus der Schlacht zu fliehen – besser einmal feige als immer tot. Alternativ gilt es die Truppen strategisch klug zu positionieren, beispielsweise Bogenschützen auf Hügeln, oder Bodentruppen mit Schildern auszustatten, damit diese den Angriffen von See länger widerstehen. Trotz der verfügbaren Kampfpausen, kommt so stressige Hektik auf.


Stets bleibt die taktische Tiefe dabei jedoch überschaubar; Plausible Concept haben sich auf ein sinnvolles Maß von Komplexität beschränkt, das zusammen mit der stilisierten Grafik dem Spielfluss förderlich ist. Zudem sind die Partien mit wenigen Minuten Dauer angenehm kurz. Wie viel Freude man mit der Echtzeit-Taktik schließlich hat, hängt von der Permadeath-Frustresistenz ab. Wenn Gegner unweigerlich mühsam hochgepäppelte  Truppenführer und ihre Einheiten vernichten und eine halbe Spielstunde für die Katz war, weil man die Checkpoint-Insel nicht erreicht hat, trägt das nicht zur Langzeitmotivation bei. Das atmosphärischere Xenowerk Tactics verzeiht hier mehr.

Rating: ★★★½☆