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Hart ist das Leben an der Küste; härter noch, wenn die Küste verfroren ist. Beispielsweise im Norden Alaskas. In dieser frostigen Landschaft spielt Never Alone – Ki Edition [App Store], dessen Handlung auf einer alten überlieferten Geschichte basiert. Während eines Schneesturms zieht Nuna, ein Iñupiat-Mädchen, aus und erlebt eine abenteuerliche Reise voller Gefahren. Begleitet wird Nuna von einem freundlichen und hilfreichen Fuchs. Ein wichtiges Anliegen ist es den Entwicklern von Upper One Games (@neveralonegame), Spieler die Kultur und Lebenswelt der indigenen Ureinwohner Alaskas zu vermitteln.

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Spielerisch folgt Never Alone den Spuren von Brothers: A Tale of Two Sons: Im Wechsel steuert der Spieler Nuna und den Fuchs, die nur im Zusammenspiel ihrer Fähigkeiten voran kommen. Der Fuchs ist in der Lage, steile Wände zu erklimmen, sich durch enge Nischen zu zwingen und Geister zu beschwören, die helfen Abgründe zu überwinden. Im Spielverlauf findet Nuna Bolas, eine Wurfwaffe, mit der sie Gegner zurückschlägt und den Weg blockierende Eisflächen zertrümmern kann. Wenn immer möglich, folgen die Figuren einander automatisch, was das Wechselspiel entspannt.

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Der zuvor für diverse andere Systeme erschienene Titel auf der Basis der Unity-Engine punktet vor allem mit atmosphärischer Großartigkeit. Wenn riesige Eisbären und gesichtsverwarzte Schurken das ungleiche Paar in Schneestürmen über Eisschollen verfolgen, ist das schlicht packend. Allerdings fordert das eindrucksvolle Äußere auch massiv seinen Tribut, denn das iPad wird so sehr gefordert, dass es sich schnell unangenehm aufheizt und man dem Akku dabei zu sehen kann, wie er sich leert. Spielerisch bietet Never Alone zudem nichts, was man nicht an anderer Stelle – wie im erwähnten Brothers – schon ähnlich oder abwechslungsreicher gesehen hätte.

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Auch die Steuerung lässt an anspruchsvolleren Stellen in den späten Spielstufen zu wünschen übrig, wenn Spieler in schneller Folge zwischen den Figuren wechseln müssen. Zumindest dann sollte man nach Möglichkeit zum MFi-Controller greifen, mit dem es sich deutlich entspannter spielt. Doch es bei Never Alone ist die Bedeutung der Wissensvermittlung dem Spielerlebnis ebenbürtig und tatsächlich ebenso gut gelungen wie in Valiant Hearts. Zahlreiche nachträglich zu ladende Videos informieren über die Iñupiat-Kultur, ein Erzähler führt in deren Sprache durch das Spiel. Never Alone ist ein atmosphärisches und lehrreiches Erlebnis, das technische Schnitzer trüben.


Rating: ★★★½☆