Hardware: Scriba (Video)


Wer mit dem iPad zeichnen oder handschriftliche Textnotizen vornehmen möchte, findet keine bessere Lösung als den Ende 2015 erschienenen Apple Pencil: Kein anderes Eingabegerät ist so gut auf die Hardware der Apple-Tablets abgestimmt und bietet ein vergleichbar unmittelbares Erlebnis. Dies allerdings nur, wenn man ein Tablet der Pro-Serie oder eines der 2018 erschienenen iPad-Modelle verwendet. Mit dem Scriba bietet das Team von Dublin Design Studio (@getscriba) um David Craig nun eine – in mehrfacher Hinsicht – unkonventionelle Alternative zum Apple-Stylus, die mit allen iPads zusammenarbeitet.


Augenfällig hebt sich der Scriba durch seine Form deutlich vom Mitbewerberfeld ab. Auf den etwa 12 cm langen Stylus mit einem ovalen sich zum runden verdickenden Querschnitt, der die Elektronik enthält, ist ein nachgiebiger mehrfach gewellter Kunststoffbogen aufgesetzt. Die einzigartige wellige Form dient der Ergonomie: Während der Stylus zwischen Daumen und Mittelfinger gehalten wird, kann der Zeigefinder auf dem Bogen abgelegt werden. Durch ein Zusammendrücken löst man einen integrierten Schalter aus und kann das Verhalten des Scriba beeinflussen.


Was passiert, wenn man den Scriba zusammendrückt, hängt von der verwendeten Software ab, die für die Ansprache der Funktion das Scriba iOS SDK unterstützen sollte. Gegenwärtig sind das die vom Hersteller kostenlos bereitgestellten Anwendungen Brushes for Scriba, Scriba Photo und Scriba Slides sowie das iPhone-Dienstprogramm ScribaTest. Anwendungen von Drittherstellern mit Scriba-Unterstützung sind die Zeichenprogramme Paintstorm Studio, Drawing Desk und Zen Brush 2 sowie die Notizen-App ZoomNotes, die Vektor-App Assembly und das kolloborative Whiteboard SyncSpace.


Unter den Hersteller-Apps bietet die Zeichen-App Brushes for Scriba die interessantesten Anwendungsfälle für die Möglichkeiten des Stylus. Im Zusammenspiel mit dem Ableger der 2010 von Steve Sprang veröffentlichen Brushes-App bestimmt man mit der Stärke des Zusammendrückens die Strichstärke. Das Zusammendrücken – statt eines stärkeren Aufdrückens – des Stylus als Methode ist zunächst ungewohnt. Es erfordert beispielsweise viel Übung, durch konstante Kraftanwendung sich linear verdickende Linien zu produzieren. Zweifaches Zusammendrücken des Stylus erlaubt es, zwischen Zeichnen und Radieren umzuschalten. Durch ein dreifaches Drücken kann man die GUI der Anwendung ausblenden.


Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Stylus ist die integrierte Vibration, die beispielsweise darüber informiert, dass der Stylus erfolgreich mit dem Tablet verbunden ist. Vorbildlich ist, dass dem Scriba drei zusätzliche Silikonspitzen beiliegen, die man mühelos austauschen kann. Der Zugang zum integrierten Akku befindet sich fast unsichtbar unter einem einfach entfernbaren Schraubdeckel auf der Rückseite. Das Aufladen erfolgt per beiliegendem Micro USB-Kabel, wobei eine Ladung laut Herstellerangaben für eine 200 Stunden andauernde Verwendung ausreichend sein soll.


Die dem Scriba zugrunde liegende Idee, die Form eines Eingabegerätes neu zu denken, anstatt auf Altes aufzusatteln, ist gut. Tatsächlich liegt der Scriba angenehm in der Hand. Mit der bewährten Form allerdings auch bewährte Methoden über Bord zu werfen – zusammen- statt auf-drücken – verlangt viel Veränderungsmotivation. Leider kommt man bislang mit dem Scriba nicht so weit, wie mit Konkurrenten von Wacom oder Adonit, die bereits breitere App-Unterstützung erfahren. Wer jedoch bereit ist, seine Arbeitsweise zu Gunsten von Ergonomie umzustellen, dem bietet der Scriba die Möglichkeit dazu – und womöglich folgt ja noch die breite App-Unterstützung.

Erhältlich ist der Scriba unter anderem bei Amazon.