Test: Wonder Boy: The Dragon’s Trap (Video)


SEGAs Wonderboy blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Sein erstes Abenteuer erlebte der Knabe Tom-Tom im Jahr 1986. Zu hirnerweichender Musik ging es spärlich bekleidet bestenfalls mit dem Skateboard über Stock und Stein. Nach dem „Monster Land“ und dem „Monster Lair“ erschien 1989 „Wonder Boy III: Dragon’s Trap“. 2017 erschien ein Remake dieses Titels für Konsolen und – Lizardcube (@lizardcube) und DotEmu (@dotemu) sei es gedankt – dürfen 30 Jahre nach dem Erscheinen des Originals auch Spieler an iOS und tvOS das abgestaubte Abenteuer Wonder Boy: The Dragon’s Trap [App Store] erleben.


The Dragon’s Trap schließt spielerisch unmittelbar an das Ende von Wonder Boy in Monster Land an. Voll ausgerüstet macht sich Tom-Tom daran, einem Drachen zu zeigen, wer Chef ist. Am Ende des Kampfes findet sich Tom-Tom unweigerlich in der Gestalt einer Feuer speiende Eidechse wieder und muss fortan versuchen, sich in einen Menschen zurück zu verwandeln. Das ist harte Arbeit, denn Tom-Tom muss dafür alle Drachen des Landes zur Strecke bringen. Das ist noch härtere Arbeit, denn die Fähigkeiten als Drache beschränken sich auf das Ausstoßen kleiner Flammenwolken. Von der geschwundenen Lebensenergie ganz zu schweigen.


So geht es mit der klassischen Trias aus Springen, Angreifen und Sonderwaffe Aktivieren in der Seitenansicht durch verschachtelte 2D-Welten. Bei Händlern und Feen rüstet man Tom-Tom für erbeutetes Gold mit besserer Bewaffnung aus und stellt Lebensenergie wieder her. So geht es immer weiter in die Lande um durch den Sieg über Drachen neue Fähigkeiten zu erlangen, die wiederum ein weiteres Fortkommen ermöglichen. Am Kernspiel aus der Jahr 1989 hat sich nichts geändert. Dass muss es auch nicht denn ein robuster Plattformer ist unverwüstlich.


Was vom Startbildschirm an ins Auge springt, ist das höchst liebevoll überarbeitete Äußere. Die neu gestaltete Grafik hat einen – mitunter etwas überschwänglichen – Cartoon-Touch. Wer sich davon überzeugen möchte, wie viel in 30 Jahren passiert ist, kann mit einer Zwei-Finger-Wischgesete zwischen der Originalgrafik und der Remake-Anmutung hin und her schalten oder das Spiel sogar in beiden Anmutungen ablaufen lassen. Spielerisch wurde vorsichtig gefeilt, so gibt es im Remake insgesamt drei Schwierigkeitsgrade, sodass wohl jeder das Abenteuer in etwa sechs Stunden bewältigen kann.


Für die Steuerung setzen DotEmu auf ein virtuelles Steuerkreuz nebst virtueller Tasten. Deren Größe und Position kann und sollte man anpassen. Allerdings will das Spiel so nicht immer flüssig von den Daumen gehen, beispielsweise, wenn Tom-Tom schnell mal aus der Hocke schießen muss, um dann springend fortzufahren. Dem entgegen steht die Steuerung über einen Mfi-Controller, mit dem sich das Abenteuer auch am Apple TV tadellos spielen lässt. Der Spielstand wird zwischen den Plattformen – ganz alte Schule – per 16-stelligem Passwort ausgetauscht. Auf iCloud verzichtet man bislang.


Wonder Boy: The Dragon’s Trap ist ein grundsolider Plattformer alter Schule, der aber auch nach alten Regeln spielt: Wer stirbt – und das ist anfangs häufig der Fall – muss zurück ins Ausgangsdorf und sich den Weg erneut Bahnen. Doch die liebevolle Politur und die Möglichkeit modular zwischen alter und neuer Anmutung, Musik und sogar Soundeffekten zu wechseln, erheben das Remake zu etwas ganz Besonderem, das kein Liebhaber des Originals ignorieren sollte. Für Spätgeborene mag die klassische Struktur hingegen zu trocken sein.

Rating: ★★★★☆