Test: The Last Express (Video)

Mit der iPad-Umsetzung von The Last Express (App Store) nehmen sich DotEmu (@dotemu) eines angestaubten Klassikers an. Erstmals erschien der Titel von Prince-of-Persia-Vater Jordan Mechner im Jahr 1997. Das damals auf drei CD-ROMs ausgelieferte Adventure begeisterte auf Windows 95 mit vorgerenderten Hintergründen, wie man sie aus Myst kannte. Visuelles Alleinstellungsmerkmal war die Anmutung von Handgezeichnetem, das durch Rotoscoping erreicht wurde. Auch heute noch ist erkennbar, was vor anderthalb Dekaden faszinierte.

Die Handlung beginnt auf einem Bahnhof im Paris des Jahres 1914 und spielt anschließend im Orient Express. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Robert Carth, einem Arzt, der von seinem alten Freund Tyler Whitney in dringender Angelegenheit herbeigerufen wurde. Nach Öffnen von Whitneys Abteil findet Carth diesen ermordet auf. Aus Angst des Mordes verdächtig zu werden, übernimmt Robert Tylers Identität und macht sich an die Klärung des Tathergangs. Auf dem Reiseprogramm stehen unzählige Gespräche mit den Mitreisenden.

Die Spielmechanik ist beschränkt, Navigation und Interaktion erfolgen über Tippgesten auf Richtungspfeile. Über Symbole kann Carth mit anderen Spielfiguren in Kontakt treten oder Gegenstände aus dem Inventar verwenden. Der Fokus liegt eindeutig auf Interaktion mit anderen Spielfiguren, und erfordert Frustresistenz, denn eine falsche Aktion kann zum Spielende führen. Dafür haben DotEmu der iPad-Umsetzung eine Hilfefunktion spendiert, die Verzweifelten weiterhilft. Zudem lässt sich in der Zeit zurückspringen, sollte Robert ein Ereignis während der Fahrt verpasst haben.

Die Qualität der Sprachausgaben und Musik hat auch heute Bestand und stützt die Atmosphäre, die bisweilen unter der angestaubten Grafik und den bewusst ruckeligen Animationen etwas leidet. Dafür fesselt die komplexe Handlungswelt noch heute: Fast jede der Spielfiguren, die in Echtzeit durch den Zug streifen, hat eine eigene Geschichte; jede Person, auf die Robert als Tyler trifft hat ein Schicksal, das mit den politischen Unruhen zusammenhängt, die der nahende Erste Weltkrieg mit sich bringt. Wer über das betagte Äußere hinwegsehen und seine Aufmerksamkeitsspanne über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten kann, findet in The Last Express anspruchsvolle Adventure-Unterhaltung

Rating: ★★★★☆