Test: JOOL (Video)

Jool00Viele bunte Dinge scheinen die Designer des Berliner Studios Rostlaub (@rostlaub_dev) konsumiert zu haben, als sie sich an die Konzeption ihres Erstlings JOOL [App Store] machten. Die rasante Hatz über Plattformen spielt sich wie ein farben- und fantasievoller Drogentrip. Pate für den Casual-Titel mit Ein-Finger-Spielmechanik standen neben Doodle Jump horizontale Endless-Runner. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein offenkundig hochgradig narkotisiertes und unter einer psychischen Erkrankung leidendes Vogelwesen, dass der Spieler möglichst lange und weit über Plattformen treiben muss.

Jool01Hinsichtlich seines Bewegungsspektrums ist das Vögelchen, wie der Doodler und andere Genre-Genossen, stark eingeschränkt. Ein Druck auf den Bildschirm lässt das großäugige Vogelwesen aufspringen, währenddessen ist durch weiteren Druck ein Doppelsprung möglich, der das Federvieh auch entfernt liegende Plattformen erreichen lässt. Ziel ist es, das Roadrunner-Derivat möglichst lange durchhalten zu lassen und zwecks Punkte-Akkumulation möglichst viele der in den Spielstufen verstreuten Gegenstände einzusammeln, um über GameCenter, Twitter oder Facebook mit dem Können zu protzen.

Jool02Wann immer der gefiederte Freund zu tief fällt, muss das iGerät schnellstmöglich um 180 Grad gedreht werden, damit das Alter Ego des Vögelchens den Staffelstab übernehmen kann. Dieser rennt in entgegengesetzter Richtung durch eine alternative bizarre Realität – ebenfalls angefüllt von Absurditäten. Der Wechsel zwischen den Welten, der sich auf iPhone und iPad mini sehr gut, auf den iPad weniger komfortabel vollziehen lässt, ist neben der verqueren Ausgestaltung das Alleinstellungsmerkmal des Titels. Amüsant zudem die zahlreichen an die Happy Tree Friends erinnernden Clips, wenn die Vogelwesen beim Versagen des Spielers grausame Tode erleiden.

Jool03Dass die Entwickler von Rostlaub einen künstlerischen Hintergrund haben, ist bereits in der ersten Spielminute von JOOL offensichtlich. Die Spielwelt ist voller aberwitziger Fantastigkeiten, wobei die rasante Spielgeschwindigkeit allerdings kaum dafür Zeit lässt, diese zu genießen. Leider fehlt es JOOL auf der anderen Seite an Spieltiefe, denn halbwegs geschickte Spieler halten die Hatz problemlos minutenlang durch und warten vergebens auf fordernde Spielelemente, die Motivation jenseits der Highscorejagt bieten. JOOL ist eine liebreizend-abgedrehte Augenschmeichelei zur kurzweiligen Unterhaltung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Rating: ★★★☆☆