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Der Anfang ist das Ende: Eine Spielfigur in einem Videospiel hat den finalen Treffer erlitten, vor dem Game-Over-Schriftzug zählt der namensgebende Countdown unbarmherzig herunter. Nach der Null kommt das Nichts und der Spieler darf die letzten Momente mit der Spielfigur verbringen, bevor ihre letzten digitalen Spuren aus dem RAM gelöscht werden. Mit der iOS-Umsetzung seines zuvor für Windows, Mac und Linux veröffentlichten Titels continue?9876543210 [Ap Store] beschert Jason Oda (@jasonoda) ein Wechselbad der Gefühle.

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Wie in Wreck-It Ralph oder Tron lernt der Spieler die bittere Realität hinter dem Bildschirm kennen. Eine fantastische Welt voller Klötzchen und Pixel, in der sich Spielfiguren wie Gladiatoren auf ihren Einsatz vorbereiten oder mit ihrem Ende abfinden müssen. Grafisch und atmosphärisch erinnert continue?9876543210 an Superbrothers: Sword & Sworcery. Bewaffnet mit einem Schwert erkundet der Spieler digitale Städte auf der Suche nach einem Ausweg aus der Ausweglosigkeit. Aussehen der Spielfigur und Reihenfolge der Städte bestimmt der Zufall.

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Die Bewohner der Spielwelt bieten dem Spieler mysteriöse Ratschläge und zudem meist entweder Blitze, die weitere Wege in entfernte Städte eröffnen oder Unterschlupf vor den selbstreinigenden Prozesse der Computerwelt. Wann immer diese einsetzen, wandelt sich das 3D-Welt-Adventure in einen 2D-Plattformer oder andere Mini-Spiele. Hier sammelt der Spieler Geld und Gegenstände, die sich an anderer Stelle einsetzen lassen, um das Fortkommen in die nächste Stadt zu befördern. Es bedarf einiger Spielzeit, bis sich die wirren Strukturen von continue?9876543210 erschließen.

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Für sich genommen, üben die Spielelemente von continue?9876543210 keinen großen Reiz aus, aber durch den atmosphärischen Kit fügt sich alles in ein stimmiges Gesamt(kunst)werk. Wie bei Drei vermischen sich Spiel und Kunst – hier allerdings mit einem unbefriedigenden Ergebnis, vor allem weil das negative Ende hier eine Gewissheit und schließlich Frage der Zeit ist. Continue?9876543210 ist ein mit spielerischen Elementen garnierter philosophischer Exkurs, aber bei weitem kein so fesselndes Spiel wie das selbstgesetzte Vorbild Sword & Sworcery.

Rating: ★★★½☆