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Der in Tokio lebende Devine Lu Linvega (@aliceffekt) ist ein Freund schräger Ideen. Wenn ihm langweilig ist, oder ihn die Muse küsst, dann zeichnet er, oder er komponiert oder er erfindet kurzerhand eine neue Art, die Zeit anzuzeigen und strickt eine App drumherum. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sein Spiel Oquonie [App Store] auf der Grenze zwischen Spiel und Kunst tanzt. Ohne Anleitung oder Vorspiel wird der Spieler in eine fremde Welt geworfen, die sich während der Erkundungsgänge in eine surreales Labyrinth verwandelt.

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Oquonie beginnt in einem neun Felder großen isometrischen Büro mit Schreibtisch, Stuhl und überquellendem Aktenschrank. In der Mitte des Raumes die Spielfigur, die der Hunger in die Kantine treibt. Ein Schicksal schlimmer als der Tod, das Tausende fleißiger Büroarbeiter teilen… wäre da nicht die Mutation. Von der Brust an ist dem Spieler ein langer Hals übergestülpt, an dessen Ende ein großäugiges froschartiges Gesicht treudoof vor sich blinzelt – eingefangen in den klaren Linien von Rekka a.k.a. Jessica Lindsay könnte der Spielstart nicht seltsamer sein.

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Im verworrenen Bürokomplex gilt es zunächst Papiere zu beschaffen. Wie in einem Gemälde von M.C. Escher laufen Wege ineinander und führen zum Start zurück. Hat man dem Chef schließlich den Stapel gefundener Dokumente überreicht, öffnet dieser ein Portal in eine noch bizarrere Welt. Deren Bewohner halten den Spieler zur Arbeit an. Erst wenn der Spieler Objekte beschafft, die in der Spielwelt verstreut liegen, geben die Bewohner den Weg frei. Jeder neue Abschnitt bringt eine neue Mutation mit sich. Mal ist der Spieler Federvieh, mal Schweinisch, mal Karnickel.

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Die minimalistische musikalische Untermalung von Aliceffekt trägt zur Unbehaglichkeit bei, die sich im Spieler ausbreitet, während er durch die Räume irrt und zusammensucht, was die Monster auftragen und was Weiterkommen verspricht. Immer in der Hoffnung, dass am Ende ein Ausweg steht oder zumindest eine warme Mahlzeit in der Kantine. Doch während die Odyssee atmosphärisch ist, ist sie auch einförmig und frustrierend. Das meditative Wandern durch fantastische Welten versagt bereits auf Kurze Sicht als Spiel, aber einen Spaziergang ist Oquonie allemal wert.

Rating: ★★½☆☆