Test: Jydge (Video)


Über die Jahre haben sich die Finnen von 10tons (@10tonsltd) als Spezialisten für anspruchsvolle Top-Down-Shooter etabliert. Mit Jydge [App Store] bringen sie den spirituellen Nachfolger ihres bisherigen Meisterwerks Neon Chrome, denn auch Jydge spielt in dessen dystopischer Cyberpunk-Neon-Welt. Statt eines ambitionierten Rebellen schlüpft der Spieler hier in die Rolle eines augmentierten Ordnungshüters, der in der Stadt Edenbyrg mit Rücksichtslosigkeit und Waffengewalt für Recht und Ordnung sorgen soll.


Der namengebende Jygde ist eine Mischung aus Robocop und Judge Dredd – ein Über-Polizist mit der Lizenz zum Töten. Durch erfolgreich absolvierte Missionen und in diesen erbeutetes Geld kann der Spieler im Verlauf Erweiterungen freischalten, die Fähigkeiten des Jydges und seiner Waffen verbessern. Diese taktische Komponente hilft das sonst stumpfe Geballer aufzupeppen, denn üblicherweise geht es in den Missionen darum, alle Bösewichte zu töten, Geiseln zu befreien oder über eine bestimmte Zeitspanne hinaus zu überleben.


In Einzelfällen ist aber auch gefragt, Missionen möglichst schnell, unbemerkt oder unverletzt abzuschließen. Und dies gelingt nur mit der entsprechenden Ausstattung. Die reicht von flotten Schuhen bis zu einer Wände zerbrechenden Rüstung. Die Waffe des Jydge verschießt wahlweise Plasma, Blei oder Laser und schließlich setzten konfigurierbare Extrawaffen wie Gegner attackierende Drohnen oder sprengkräftige Raketen der Auswahlqual die Krone auf. Für bestimmte Einsatzzwecke geeignete Zusammenstellungen lassen sich speichern, sodass man bei Bedarf schnell zwischen diesen wechseln kann.


Da sich alle diese Optionen erst mit der Zeit erschließen, bleibt das komplexe Ausrüstungssystem handhabbar. Problematischer ist das schon der Umstand, dass sich auch die Spielstufen erst nacheinander erschließen – und dies erst, wenn eine bestimmte Zahl von Missionen innerhalb der Spielstufen erfolgreich absolviert wurde. Konkret bedeutet dies, dass der Spieler bereits absolvierte Spielstufen auf drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bis zu neun mal durch spielen muss, um schließlich neue Spielstufen zu eröffnen. Wer zwischen den Zeilen Grinding liest, liest richtig.


Zwar werden mit den erhältlichen Verbesserungen auch vormals als Herausforderungen empfundene Spielstufen handhabbar, doch kommen Freunde des gepflegten Mordens nicht umhin, auch Schleichmissionen spielen zu müssen. Schließlich scheitert Jydge so daran, das hervorragende Neon Chrome übertreffen zu wollen. Doch vor allem, wer sich an dessen zufällig generierten Spielstufen rieb, findet in der von ermüdenden D-statt-Y-Wortspielen durchzogenen Ballerei eine hervorragende Alternative, wenn es denn danach dürstet, die Welt in Schutt und Asche zu legen.

Rating: ★★★★☆