Test: Evoland 2 (Video)


Als Evoland 2015 für iOS erschien, erfüllte es vor allem die Herzen älterer Spieler durch zahllose Verneigungen vor Rollenspiel-Klassikern mit nostalgischer Freude. Im gleichen Jahr erschien der Nachfolger für diverse Plattformen, einer iOS-Umsetzung erteilten Shirogames (@ShiroGames) Absagen. Doch Unverhofft kommt oft und heimlich still und leise nahmen sich Playdigious (@playdigious) der Portierung an. Dabei lieferten sie mehr als erhofft, denn Evoland 2 [App Store] spielt auch auf dem Apple TV.


Der Untertitel “A Slight Case of Spacetime Continuum Disorder” legt nahe, dass die französischen Entwickler bei ihren Leisten bleiben. Tatsächlich bietet der Nachfolger allerdings mehr von allem: eine längere Spielzeit als der kurz geratene Vorgänger, neue Charaktere und neue intertextuelle Referenzen, die Betagten immer wieder Seufzer entfahren lassen. Alle Anfang ist auch in Evoland 2 8-Bit. Genau genommen, die Game-Boy-Ära, in dessen charakteristischer grobpixeliger Grünton-Anmutung Evoland 2 dem Spieler zu piepsigen Klängen die Grundlagen der Steuerung vermittelt.


Grundsätzlich ist Evoland 2 ein Rollenspiel japanischer Bauart: Wie in den frühen Titeln der Zelda-Reihe, steuert man einen schwertschwingenden Recken durch monstervolle Kerker. Bald durchstreift er Dörfer und Landschaften, unterhält sich mit Bewohnern, erledigt Handlanger-Dienste und nimmt sich im Team mit Kollegen Monsterplagen an. Doch die Genrekonvention ist nur die Bühne, auf der die französischen Entwickler eine beispiellose Zitat-Parade veranstalten.


Geht es in den Untergrund, darf man wie in Super Mario Bros. in der Seitenansicht auf Gegner hüpfen und in Röhren abtauchen. Einem Hilfe-suchenden Angler mit verknoteten Leinen tut man durch das Lösen von Logik-Rätseln – wie in Titeln der Professor-Layton-Serie – einen Gefallen. In der Dorfkneipe laden Trunkenbolde zu einem Kartenspiel nach Hearthstone-Vorbild ein. Ein Endboss besteht darauf, sich wie in Street Fighter verprügeln zu lassen und die Flucht auf dem Flugmobil verkommt zu einem Arcade-Vertikal-Shooter.


Die Handlung von Evoland 2 erzählt von einem jahrzehntelangen Krieg zwischen Menschen und Dämonen. Die Zeitalter, zwischen denen man im Spielverlauf mehrfach hin und her springt, visualisiert Evoland 2 entsprechend: Der Bogen spannt sich von monochromen 2D-Zeiten bis hin zu hochaufgelösten vielfarbigen dreidimensionalen Umgebungen. Selbst die zahllosen ins Deutsche übersetzen Dialogzeilen sind voll von augenzwinkernden Anspielungen und Verneigungen vor Videospiel-Klassikern. Drei Schwierigkeitsgrade bieten eine Herausforderung auch für Erfahrene.


Wiederholt reißt Evoland 2 jedoch die hoch gelegte Latte: Ist der Titel in Verbindung mit einem Mfi-kompatiblen Joypad besonders auf dem Apple-TV ein Hochgenuss, sorgt die Touch-Bedienung in hektischen Passagen für Frust. Hinzu kommt, dass einige der Kapitel arg ausgewalzt sind, wohl auch um – als Ausgleich für den kurzen Vorgänger – die Spielzeit auf gut 20 Stunden zu strecken. Schließlich jedoch ist Evoland 2 eine der schönsten und hingebungsvollsten Oden an Videospiele, die hinsichtlich Vielfalt und Witz ihresgleichen sucht.

Rating: ★★★★☆