Test: Alto’s Odyssey (Video)


Als Alto’s Adventure von Snowman Games (@builtbysnowman) 2015 erschien, vollbrachte der Titel das Kunststück, aus der unübersichtlichen Masse der Endlos-Spiele hervorzustehen. Begleitet von charmanten Charakteren, einer exotischen Spielwelt und mit graziler Akrobatik machte sich der Spieler darin daran ausgebüxte Lamas auf einem Snowboard einzufangen. Das Geheimnis des Erfolges lag in der großen Zugänglichkeit durch die harmlose Anmutung gepaart mit einem fordernden Spielprinzip, das zu immer riskanteren Anläufen anspornte. Nun möchte auch der Nachfolger, Alto’s Odyssey [App Store], ebenfalls verzaubern.


Die Lamas aus dem Vorgänger sind verschwunden, die Schneelandschaften getaut. Alto’s Odyssey tauscht die kühleAnden-Kulisse des Vorgängers gegen die Wüste. Doch wem beim Gedanken an stechendes trockenes Gelb aus Power Hoover oder Desert Golfing der Hals trocknet, darf schlucken. Dank einer gehörigen Portion Pastell sieht die wüste Spiellandschaft wieder außerordentlich gefällig aus, die harmlose Hintergrundmusik lullt den Spieler hypnotisch ein; kurz – atmosphärisch bleibt trotz des Schauplatzwechsels alles beim Alten: Es geht mit dem Sandboard von links nach rechts über Dünen und durch Täler.


Durch Tippen auf den Bildschirm macht Alto einen kleinen Sprung, beim Gedrückthalten rotiert er um die eigene Achse. Wieder obliegt es dem Spieler, während Alto nach dem schwungvollen Abheben für Momente in der Luft verweilt, akrobatische Tricks zu vollführen: grazile Drehungen um viele hundert Grad, die selbst den in Würde gereiften Tony Hawks als aussehen lassen. So geht es durch Tag und Nacht und durch Regen und Sonnenschein der idyllischen Ödnis; auf zwischen Fesselballoonen gespannten Seilen entlanggleitend und durch Wüsten Stürme in ungekannte Höhen gewirbelt.


Wieder kann man durch gesammelte Münzen den Spielablauf Vereinfachendes freischalten; wieder darf man versuchen, gestellte Aufgaben zu erledigen um neue Spielfiguren freizuschalten; wieder darf man den Titel auf den Apple TV spielen; wieder ärgert man sich ein ums andere Mal, dass man sich beim Abheben zu viel vorgenommen hat und von vorne beginnen muss; wieder schwört man sich, es bei diesem Anlauf zu belassen, um dann erneut zu Starten. Kurz: Es ist spielerisch alles beim Alten geblieben, lediglich die Oberfläche hat sich verändert. Fast.


Eine halbwegs bedeutsame spielerische Neuerung ist ein Sandboard, das der Spieler sich nach einiger Einspielzeit verdient. In bestimmten Spielabschnitten kann man mit diesem an speziell gekennzeichneten Flächen Wallrides durchführen. Mit etwas Geschick schraubt man Alto so weiter in die Höhe und reiht mehrere Salti aneinander, um mittels dieser Trick-Kombinationen damit das Punktekonto in die Höhe zu treiben. Eine nette Erweiterung, die auf das Grundprinzip aufsattelt, es aber nicht wirklich beflügelt.


Im Detail mag man sich daran stören, dass der Titel bisweilen Erfolgsmeldungen so ungeschickt einblendet, dass sie künftige Hindernisse verdecken. Aber dem Spielspaß ist dieses Ärgernis kaum abträglich. Das größte Manko an dieser Fortsetzung ist, dass sie – abgesehen von einem Zen-Modus, in dem es keine Punkte, aber auch keinen Game-Over-Bildschirm gibt – sich nur oberflächlich von ihrem Vorgänger abhebt, die Entwickler lediglich eine kosmetische Evolution wagen. Davon ab bietet Alto’s Odyssey ein gewaltfreies, kurzweiliges und fast meditatives Spielerlebnis.

Rating: ★★★★☆