Test: Photographs (Video)


Nach einer vergleichsweise langen Entwicklungszeit meldet sich Luca Redwood, EightyEight Games (@LucaRedwood), mit Photographs [App Store] im App Store zurück. Mit den beiden Vorgängern 10000000 und You Must Build A Boat, die im Match-Mehrfach-Genre verwurzelt waren, hat die Neuentwicklung wenig gemein. Im Gegenteil, will sich Photographs nicht in eine Genre-Schublade stecken lassen und vermischt interaktive Erzählung mit diversen kurzweiligen Puzzle-Spielen.


Photographs ist eine Sammlung von fünf tragischen Geschichten, die fragmentarisch erzählt werden. Nach einem Handlungshappen ist der Spieler gefordert, mit der Kamera eine bestimmte Szene einzufangen und so eines der namengebenden Fotos zu schießen. Das Foto wiederum ist der Schauplatz eines Knobelspiels. Jede der fünf Geschichten verwendet dabei eine eigene Mechanik. Den Start machen Verschiebepuzzles in denen Großvater und Tochter durch Gärten irren, gefolgt von Knobeleien bei denen man die besten Flugbahnen für Turmspringerinnen finden muss.


Der Unterhaltungswert aller drei konstituierenden Elemente variiert. Das Heraussuchen der Bildteile für die Fotos fällt als rein retardierendes Element eher unangenehm auf, die Puzzle-Anteile bieten immerhin kurzweilige Unterhaltung, wenngleich hier der Schwierigkeitsgrad besser austariert sein könnte, da dieser munter zwischen banal und knifflig oszilliert. Was dennoch am Tablet hält, sind die sehr liebevoll erzählten Geschichten. Wie Old Man’s Journey ist auch Photographs eher Geschichte als Spiel.


Interessant ist, wie Redwood Geschichten und Mini-Spiele miteinander verwebt, wenn sich etwa der fortschreitende Wahnsinn einer kranken Figur aus deren Steuerung auswirkt oder Doping einer Sportlerin einfache Lösungsmöglichkeiten eröffnet. Auch die auf den ersten Blick unscheinbare Präsentation mit detailreicher Pixelgrafik von Octavi ‚Pixelshuh‘ Navarro, Sprachausgaben und Ben Prunty-Klangbett ist stimmig. So steht und fällt der Unterhaltungswert mit den Erwartungen – wer sich für innovative Erzählweisen teils etwas moralinsaurer Geschichten begeistern kann, und das Spielerische hintenanstellt, kommt auf seine Kosten.

Rating: ★★★½☆