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Gut Ding will Weile haben. Im Fall von Galactic Keep [App Store] eine bemerkenswert lange Weile. Sechs Jahre haben Gilded Skull Games (@GildedSkull), ein kleines Team um Rob Lemon, in die Realisierung ihres (auf Kickstarter zunächst geplatzten) Traumes gesteckt – trotz eingeschlossener kleiner Pausen, eine App-Store-Ewigkeit. Herausgekommen ist ein rundenbasiertes Rollenspiel, dem man die Liebe der Autoren zu klassischen Pen-&-Paper-Spielen anmerkt. Ein idiosynkratisches Werk, das wie Dream Quest allein schon deshalb bemerkenswert ist, weil es so viel Auteur-Charme versprüht.

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Als Mitglied der intergalaktischen Eliteeinheit Coalition soll der Spieler das Verschwinden von Siedlern einer Kolonie aufdecken. Der zehnseitige Würfel bestimmt darüber, wie weit die Spielfigur sich bewegen kann, wenn sie am Zug ist, wie gut Wunden verheilen, wenn sie pausiert oder wer den ersten Schlag hat, wenn man sich das Feld mit einer gegnerischen Figur teilen muss. Zunächst wirkt Galactic Keep wie ein Brettspiel, schnell jedoch übernehmen Rollenspiel-Elemente die Oberhand: Erfahrungspunkte, der Einsatz von Gegenständen und  unterschiedlichen Fertigkeiten und eine semi-lineare Handlung fesseln und sorgen für lange und längere Sitzungen.

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Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad segnet der Held bald ob der böswilligen Übermacht das Zeitliche. Doch dank der Möglichkeit, mit einem anderen Team-Mitglied einzuspringen und zudem die Habseligkeiten des Gefallenen einzuheimsen und diesen wieder zum Leben zu erwecken, ist das verschmerzbar. Einfacher wird das Unterfangen dadurch auf Lange Sicht allerdings nicht, denn im Spielverlauf wird selbst das Bergen Gefallener zu einem anspruchsvollen Unterfangen, vor allem wenn man sich dabei ertappt, einen Liebling hochgezüchtet zu haben und man dessen Kadaver dann mit einem Hänfling aus der Hölle bergen muss. Schließlich jedoch motiviert dieses Design stärker als Permadeath – das dennoch als “Hardcore-Modus” einstellbar ist.

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Während keines der Spielelemente von Galactic Keep bemerkenswert ist, ist es vor allem das Design – strukturell wie oberflächlich – dass den Titel bemerkenswert macht. Von den Zeichnungen über die Handlung merkt man dem Titel eine individuelle Handschrift an. Galactic Keep wirkt wie das Werk eines Oberschülers, der, selbst begeisterter Rollenspieler, das für ihn perfekte Rollenspiel schaffen möchte. Schön, dass Lemons Team dieses Ziel erreicht hat und, dass es auch anderen Spaß macht. Ein grandioser Mix aus dem brettspielig Narrativen von 80 Days und dem geordneten Schlagabtausch von Warhammer 40,000: Deathwatch – Tyranid Invasion.

Rating: ★★★★½